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... und jetzt noch die verdammten 42,2 KM!

... und jetzt noch die verdammten 42,2 KM!

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52. Berlin Marathon - meine 19.Teilnahme 27.09.2026

Es ist soweit - da ist er wieder der Berlin-MA. Als hätte ich es nicht
gewusst (klar den Startplatz muss ich als Jubilee-Teilnehmer bis Dez.
2025 buchen) doch sonst habe ich mich nicht weiter darum gekümmert.
Weder Bahnfahrt, noch Hotel, usw., also mache ich das recht kurzfristig,
2-3 Wochen im voraus, das klappt sogar einigermaßen gut - Bahnfahrt
ist immer noch halbwegs günstig, bei den Hotelzimmer ist die Auswahl
schon sehr eingeschränkt. So passiert es das ich diesmal nicht bereits am
Do. nach Berlin reise, Freitag bis Montag sollte auch reichen - tut es auch.
Mein Hotel liegt am Nollendorfplatz - der Regenbogenkiez von Berlin (wie
ich später erfahre), hier gibt es jede Menge Szenekneipen und entsprech-
ende Läden. Aber die Restaurants in der Nähe sind aus aller Herren Länder,
eine bunte, vielfältige Auswahl gibt es hier - das gefällt mir ausgesprochen
gut.
Kaum angekommen, mache ich mich auf dem Weg zur Marathon-Expo - na
klar Start-Nr. usw. abholen, etwas shoppen und selbstverständlich beim Jubilee-
Club vorbeischauen... da gibt es immer Kaffee und Kuchen, alkoholfreies Bier.
Dort erfahre ich u.a. es gibt ganz knapp 7.000 Mitglieder beim Läufer-Jubilee-
Club (für Inliner gibt es da eine extra Wertung).
Am Vortag ereilt mich noch eine Entzündung am rechten (sehenden Auge) direkt,
ganz nahe unterm Auge.... ist lästig, sollte aber einen Start nicht weiter behindern-
ständiges eincremen/salben ist angesagt.
Zum Start laufe ich zur U-Bahn am Nollendorf Platz, dort wird gerade der Hotspot
für den Marathon aufgebaut. Diesmal wähle ich einen anderer Weg zum Start - auf
der Fahrt zum Potsdamer Platz schließe ich mich den anderen Marathonis an - wir
laufen zu Fuß zum Startgelände...das ist weniger weit als ich dachte - kann sogar
am Brandenburger Tor noch ein Foto machen. Dann geht es hoch zum Startgelände,
als Teilnehmer mit Kleiderbeutel, muss man die dafür geeigneten Einlässe benutzen...
Marschiere schnurstracks zu Platz für meinen Startbereich (Dropbags mit kleinen 
Start-Nr. - also Jubilee- Club) dort treffe ich Wilfried Köhnke, den Mann der hier zum
50x dabei ist (78 Jahre alt) - was für eine Ausdauer!
Ich gehe nun runter zum Startblock - weiß das zieht sich immer, bis man dort einsortiert
ist. Als ich davor stehe - noch ein Selfie mit Startblock im Hintergrund, dazu nehme
ich meine Brille ab und klemme sie ins Start-Nr.-Band. Das Ding ist im Kasten und 
ich steige übers Gitter, den der Zugang ist massiv blockiert. Dann bin ich fast mitten
drin im Block, möchte meine Brille im Trinkgurt verstauen. Doch wo ist sie - am Band
hängt sie nimmer, auch anderswo nicht.... Nun werde ich hektisch, wenn die irgendwo
im Startblock liegt ist sie hoffnungslos verloren ... sie wird schneller zertreten als
ich in die Hände klatschen kann. Ich kann sie auch nirgends erkennen - ohne Brille ist
es sowieso schwierig für mich, aber ich laufe ja bisher immer ohne Brille - das geht,
aber hinterher brauche ich sie dringend... kann kaum das Handy ohne bedienen.
Ich konzentriere mich auf den Begrenzungszaun, da könnte sie doch heruntergefallen
sein. Ich suche alles innerhalb und außerhalb des Zauns ab - das gestaltet sich sehr
schwierig, da Läufer(innen) sich Ihrer Wärmefolie oder wärmenden Klamotten entledigen
und sie genau dorthin werfen, zudem klettern auch Andere übers Gitter. Ich werde lang-
sam panisch - der Gedanke hinterher ohne Brille dazustehen ist für schwer zu akzeptieren.
Ich werde gefragt was ich da such - ob mit mir alles in Ordnung ist - nein DAS ist es
nicht, aber Sie werden mir keine Hilfe sein. Es tauchen Helfer auf, eine Frau, ein Mann,
Sie sammeln diese Klamotten ein, sie werden einer Kleiderkammer o.ä. zur Verfügung
gestellt. Auch Sie fragen mich - hier kann ich mir vorstellen das Sie etwas sehen, ich 
erkläre Ihnen wo ich in etwa drüber geklettert bin. Hinter mir geht der Startblock 
schon weiter vor, zum Starten kommen Sie noch nicht. Ich werde noch paar Min. suchen,
dann muss ich eben ohne Brille starten... plötzlich ruft die Frau: Hier ist eine Brille,
ist das Ihre? Ich setze sie kurz auf - es ist meine... ich umarme die Frau und bedanke 
mich überschwänglich bei Ihr  - Sie sagt jetzt aber los... Du willst doch Marathonlaufen!
Klar will ich das - ich winke Ihr nochmals zu und mache mich auf den Weg... ganz bewusst
wird die Brille samt Handy im Trinkgurt verstaut, Reißverschluss zu - trotzdem vergewissere
ich mich nachher mehrmals... ist die Brille wirklich da??
Jetzt geht's los... ich gehe durch die vorderen Startblöcke auf die Startlinie zu und eigentlich
hat mich die Aktion eben schon Nerven und Kraft gekostet - jetzt kommen noch diese ver-
dammten 42,2KM, das wird ne' Nummer, denke ich mir. Wo ist nun meine antrainierte Resilienz
wenn ich sie brauche... natürlich ist sie da, auch wenn ich sie gerade nicht so spüre!
Roland das wird schon - Du hast Deine Brille bei Dir und nun verlasse Dich einfach auf das
was Du kannst und so oft gut gemacht hast - vertraue auf Deine Stärke - so mache ich mir
Mut. Ich laufe auf die Siegessäule zu, wie immer rechts vorbei und jetzt wird fokussiert
was auf mich zukommt, die vergangenen Läufe zählen nicht, auch nicht die in der Zukunft:
Berlin-MA 2026 ist angesagt!
Das Wetter ist quasi ideal, das Publikum feuert begeistert an - ich denke positiv... 2,5KM
geht es gerade aus, dann rein in die Marchstraße, nach dem Landwehrkanal heißt sie Franklin-
straße, über die Spree nach Alt-Moabit. KM5 - die Pace knapp unter 6min/KM, das kann ich
anfangs... frägt sich nur wie lange? Nach Osten Richtung HBF, dort 2x die Spree überquert
und der Abstecher nahe beim Start.  
Fast KM8 ich laufe auf den Friedrichstadtpalast zu, vor mir mitten im Laufpulk zwei Motorräder.
Keine Polizei, keine Erste Hilfe - was ist da los? Ich erkenne auf dem Einen sitzt ein Reporter
verkehrt zum Fahrer und hält ein Mikro, das Andere begleitet nur. Hier gibt's ein Live-Interview
direkt aus dem Rennen, ein Läufer (ich weiß nicht wer, kann auch keine Start-Nr. erkennen) be-
antwortet Fragen während des Laufens, Er wirkt nicht angestrengt... wohl könnte Er schneller
laufen, wie mir scheint, doch das Interview scheint Priorität zu haben. Mir wird das zu bunt und
ich laufe daran vorbei, biege in die Friedrichstr. ein und dann geht's auch schon die lange Gerade
auf der Torstraße, KM10 erreicht. Die Pace immer noch sub 6min, stelle ich zufrieden fest - ich
laufe ziemlich "in meinem Tunnel" - bemerke so am Rande irgendwann überholen mich die zwei
Motorräder samt Läufer... weniger Interview, mehr Laufen ist angesagt.
Übern Alex zum Straussberger Platz, den Kreisverkehr an der 3.Ausfahrt verlassen hätte jetzt
ein Navi angesagt, die Lichtenberger Str. südlich nach Kreuzberg. Hier bei KM15 alles im Lot -
ziemlich genau die 6min/Km. Dann wird's langsamer - erst 5-10sec pro KM dann auch mal 15-
20sec pro KM... das war zu erwarten, nun entscheidet es sich bald wie ich heute hier raus
komme. Bis zu einer "Hochrechnung" will ich noch abwarten...
Am Hermannplatz (östlicher Punkt) biegen wir in die Hasenheide nach Westen ein (KM17) über
den Südstern und Bergmannkiez (mehrfach besucht), vorbei an Yorckstr. der HalbMA-Marke
entgegen - das über 6min/Km hält sich noch in Grenzen stelle ich zufrieden fest. Ich laufe so
konzentriert das ich nicht an Fotos denke... einfach "nur laufen". Mit dem Bewußtsein, ich bin
definitiv schneller als im vergangenen Jahr geht es im südlich/westlich weiter.  
KM24 - unter der Brücke am Innsbrucker Platz reisst mich die Trommelgruppe (wie so oft) aus
"dem Tunnel" - einfach tolle Musik und Rhythmus ... das stimuliert, die Lauffreude ist also
immer noch da!
Ich merke wie sich meine Pace der 6:30min/Km nähert, kann aber vermeiden das ich sie er-
reiche. Da es kein Cola an den VP's gibt wird es Zeit für ein Cola-Gel. Ein paar KM später ist
die 30KM-Marke in Sicht - ich beschließe: Zeit für ein Foto und intensiver VP-Stopp mit 1x
Wasser, 3x Iso - der KM ist ein Ausreißer - Tempo wieder forcieren...
Am Fehrbelliner Platz ein Hotspot - toller Sound, da entsprechend große Boxen... und jetzt:
Rhythm is a Dancer....  richtig gute Mucke und schööön laut - da kann ich nicht widerstehen und
lege ein paar Tanzschritte hin - die Reaktion ist einfach genial... was da zurückkommt. Beflügelt
dann Richtung Ku-Damm - ich gönne mir eine kleine Hochrechnung (fällt nach 33/34Km nicht
einfach). Ich könnte doch unter die 4:30Std ins Ziel kommen - das hätte ich kaum für möglich
gehalten... nach dem Startchaos.
Nun dranbleiben und das Ding gut ins Ziel bringen... nicht viel langsamer werden. Doch ich spüre
wie sehr am Limit ich heute gelaufen bin - mir fällt ein das ich vor einigen Monaten in Regensburg
4:28 gelaufen bin - ist das zu toppen? Nun alles auspacken was da noch in mir steckt, vorbei am
Nollendorfplatz wo ich heute Morgen in die U-Bahn bin, in die Potsdamer Str. über den Landwehr-
kanal. Ich nehme mir nicht mal die Zeit für ein 2.Gel - am Potsdamer Platz aber 3xIso, das sollte
mich jetzt ins Ziel bringen.
Wie immer zieht es sich die Leipziger Str. hoch bis die Abzweigung und KM40 kommt - kurzer Blick:
4:12, das sollte reichen um unter 4:28 zu bleiben.... laufen und genießen. Unter den Linden feuere
ich wieder die Zuschauer an... mit der Gewissheit mein Ziel zu erreichen auf's Brandenburger Tor zu
und hindurch. Nun die Tribünen kurz vorm Ziel... ich schwebe vorbei und weiß ich habe es in der 
Tasche: 4:26Std für meinen 19.Berlin-MA, die Kraft ist am Ende direkt im Ziel!
Am Begrenzungsgitter sammle ich mich kurz, dann weiter zu den Medaillen und weiter zur End-VP.
Wieder einige Schritte weiter endlich das Finisher-Bier - freudestrahlend hole ich mir meinen Dropbag
ab und setze mich erstmal nebenan auf einen Stein.
Es ist geschafft - Leiter-/Treppensturz (mit Bänderriss) zum Trotz - hier in Berlin meinen schnellsten
Marathon in 2026 gelaufen, ich hole meine Brille raus (wie gut das ich sie wieder habe) und gucke mir
das auf dem Handy nochmals an.
Nach dem Abtrocknen und umziehen mache ich mich langsam auf den Weg. Vorm Bahnhof noch eine
Bratwurst geholt und voller Glück zum Hotel, freue mich über einen heißen Kaffee und Dusche.
Am Abend gehe ich noch total lecker "zum Inder" essen, als der Kellner merkt, ich bin ein MA-Finisher
bringt Er mir eine "extra große Portion" - der Cocktail hinterher hat wohl auch ein paar Promille mehr.
Als ich am nächsten Tag im ICE sitze denke ich mir: der Jubiläums-MA in Berlin kann kommen!

Keep The Fire Burning - Roland 

Zu den Fotos:
1. Mal wieder am ehemaligen Flughafen Tempelhof: Marathon-Expo
2. Jubilee-Club-Flaggen: 1x für Läufer - 1x für Inliner
3.Eine Jubilee-Tasse habe ich mir als Erinnerung gegönnt
runners.high - Nomen est omen :logik:
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