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Recherche Doping im Amateursport

Recherche Doping im Amateursport

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Liebe Athletinnen und Athleten,
wir brauchen eure Unterstützung für eine Reportage für Blickpunkt Sport (BR) und die ARD Mediathek

Wir sind ein Team aus Volontär:innen des Bayerischen Rundfunk und wollen uns mit der Frage beschäftigen, warum Schmerzmittelmissbrauch und Doping auch im Amateur-Sport so ein großes Thema sind. Uns geht es nicht darum, betroffene Sportler:innen öffentlich an den Pranger zu stellen, sondern wollen die Motivation dahinter verstehen und erklären. Klar ist: Doping im Spitzensport ermöglicht Siege, Ruhm, finanzielle Unabhängigkeit – betreut von medizinischem Fachpersonal.

Amateure verdienen weder ihren Lebensunterhalt mit Sport, noch werden sie von Profis betreut. Was treibt sie also an, ihre Gesundheit zu riskieren, um das Maximum aus sich herauszuholen? Wie schwer ist es eigentlich, an Dopingmittel und Medikamente zu kommen? Und wer verdient daran? Woran merkt man, dass Athlet:innen dopen oder Schmerzmittel missbrauchen?

Wenn ihr diese Fragen beantworten könnt oder sogar selbst schon mal gedopt habt oder vor einem Wettkampf ein paar Ibus genommen habt, freuen wir uns sehr über eure Rückmeldung unter florian.barnikel@br.de.
Uns interessiert auch, wenn ihre schon man andere beim Doping beobachtet habt. Keine Angst: Wir sprechen erstmal völlig unverbindlich und anonym!

Falls ihr Rückfragen dazu habt, meldet euch auch gerne.

Vielen Dank und beste Grüße aus München

Re: Recherche Doping im Amateursport

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Was treibt sie also an, ihre Gesundheit zu riskieren, um das Maximum aus sich herauszuholen?
Die Frage ist sicherlich genauso zu beantworten, warum Amateursportler sich Trainingsplan um Trainingsplan und harte Intervall-Einheit um harte Intervall-Einheit um die Ohren haut. Zur reinen Fit- und Gesunderhaltung ist das ja auch nicht notwendig. Anerkennung, Erfolgsgefühle, zu schauen wie weit man gehen kann und was mit dem eigenen Körper möglich ist. Ich persönlich trainiere vor allem für die Erfolgsgefühle und vielleicht auch so ein bisschen für die erstaunte Anerkennung der Leute, wenn sie mitkriegen wie hart man trainiert. Auch wenn ich letzteres nicht gerne zugebe.

Gleiches dürfte auch zählen, wenn Leute dann was einwerfen, weil sie merken, dass sie trotz hartem Trainings nur noch sehr langsam vorankommen aber noch gerne ihre "Traum-PB" erreichen wollen. Ich weiß nicht inwiefern illegales Doping tatsächlich im Amateursport verbreitet ist, aber die Bereitschaft sich durch "Mittelchen" doch noch zur besseren Zeit zu verhelfen ist durchaus bei manchen vorhanden. Einfach mal in der Forensuche nach "Bikarbonat" oder "Bicarbonat" suchen. Auch hier wird diskutiert, wie man sich möglicherweise durch die Einnahme von zig Gramm Natriumhydrogencarbonat zu besseren Zeiten verhelfen kann. NaHCO3 ist meines Wissens nach (noch?) auf keiner Dopingliste zu finden, aber während es nicht verboten ist, ist der Grundgedanke der selbe: Sich durch die Einnahme einer Chemikalie (die keine Nahrung darstellt) zu besseren Zeiten verhelfen. Und eben weil es nicht verboten ist, wird es recht offen diskutiert.

Bei Schmerzmittel bin ich mir nie ganz sicher, wie sehr die tatsächlich helfen können bessere Zeiten zu laufen. Ibuprofen habe ich mir auch schon vor dem Training bei Kopfschmerzen oder leichten muskulären Schmerzen eingeworfen, um das ganze etwas angenehmer zu machen. Auch wenn man sich bei letzterem vernünftigerweise Fragen sollte, ob man überhaupt trainieren sollte. Stichwort Verletzungsrisiko. Aber es ist für mich schwer vorstellbar das nicht-opioide Schmerzmittel wie Ibuprofen, Aspirin und co., die allenfalls bei schwachen akuten Schmerzen helfen, helfen sollen Krämpfe oder Zerrungen oder ähnliches im Wettkampf zu überwinden, um bessere Zeiten zu laufen. Bei Opioiden sieht das vielleicht wieder anders aus.

Re: Recherche Doping im Amateursport

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GenosseGeneral hat geschrieben: 13.06.2024, 17:16 Bei Schmerzmittel bin ich mir nie ganz sicher, wie sehr die tatsächlich helfen können bessere Zeiten zu laufen.
"Während Aspirin keine leistungssteigernde Wirkung hat, erhöht Paracetamol die kurz-und langfristige sportliche Leistung durch ein reduziertes Schmerz- und Erschöpfungsempfinden. Zudem verbessert seine fiebersenkende Wirkung die Ausdauerleistung bei heißen Temperaturen."
https://www.thieme-connect.com/products ... -0958-4046

Re: Recherche Doping im Amateursport

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bones hat geschrieben: 13.06.2024, 19:03 "Während Aspirin keine leistungssteigernde Wirkung hat, erhöht Paracetamol die kurz-und langfristige sportliche Leistung durch ein reduziertes Schmerz- und Erschöpfungsempfinden. Zudem verbessert seine fiebersenkende Wirkung die Ausdauerleistung bei heißen Temperaturen."
https://www.thieme-connect.com/products ... -0958-4046
Urgs.

Könnte in so manchem Fall erklären, in dem ein Läufer bei Hitze über seine Grenzen geht und dann auf einmal auf der Strecke liegt...
Aber alles Sachen, über die man nur spekulieren kann, man wird es ja nie erfahren.
Runalyze-Profil
Mein Lauftagebuch "Ausgerechnet ich laufe"
PBs: 10k: 44:27 (3/18), HM: 1:34:25 (4/23), M: 3:30:35 (04/19) Ultra: 72,3km in 7:28h (12/19), 110km in 24h (6/19)

Re: Recherche Doping im Amateursport

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FlorianB2 hat geschrieben: 13.06.2024, 15:49 Was treibt sie also an, ihre Gesundheit zu riskieren, um das Maximum aus sich herauszuholen?
Ich fürchte darauf wird es keine einfache Antwort geben.

Vermutlich werden viele dopen aus dem einfachen Grund, weil sie es können ...
Wie viele Menschen dopen sich tagtäglich im Alltag - obwohl sie keine Vorteile davon haben?
Unter meinen Arbeitskollegen gibt es viele, vor allem junge Kollegen, die trinken wärend ihrer Schicht nicht selten 1-1,5L "Energie-Drinks", damit arbeiten sie aber nicht mehr oder besser als die meist älteren Kollegen, die nur Wasser trinken.

"Ich mach es, weil ich es kann"

Die Töchter von einer Arbeitskollegin, hatten sich zu einem 5km Lauf angemeldet und dafür trainiert und in sozialen Medien daüber berichtet.
Am Tag des WK haben sie zwei männliche, erwachsene Familienangehörige dafür bezahlt und überredet, für sie unter ihrer Startnummer an den Start zu gehen. Dadurch erreichten beide Frauen in der offiziellen Wertung vordere Plazierungen, eine von denen kam sogar aufs Podest und gewann einen Preis als 2. ode 3. plazierte Frau.
Erst durch meinen Einspruch kam der Betrug heraus.
Meine Arbeitskollegin verteidigte den Betrugsversuch ihrer Töchter sogar damit, dass sie sich ja in den sozialen Medien lächerlich gemacht hätten, wenn sie den Lauf nicht sportlich geschafft hätten.
:klatsch:

Vieleicht auch ein Grund der Menschen sich und andere zu betrügen, sie wollen die Erwartungshaltung ihres Umfeldes, den sie selbst durch ihre große Schnauze aufgebaut haben, erfüllen.
Einfach mal zu sagen "das kann ich nicht" ist halt nicht cool.

Re: Recherche Doping im Amateursport

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Wer seinen Sport ehrgeizig als Wettkampf bestreitet, möchte immer die optimale Leistung erbringen. Egal, ob als Profi oder Amateur.
Da wird dann zum Hustensaft, Asthmaspray, Koffein, Schmerzmittel etc. gegriffen. Die Vorbilder aus den Medien machen es doch auch. Soviele Asthmatiker wie unter den Wintersportler oder Radrennfahrern gibt es im Rest der Bevölkerung prozentual nicht. :teufel:

Re: Recherche Doping im Amateursport

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Ob man durch Medizin im Sport nachhilft oder sich stets als moralische Instanz in einem Forum verkauft kommt auf dasselbe heraus: man befindet sich frei nach Heidegger auf dem Holzweg. Ich hoffe dass das irgendwann einmal in das Bewusstsein tritt und das sich dieses permanente im Kreis drehen auflöst.

Das werde ich in mein Abendgebet mit aufnehmen.

Ganz selbstverständlich.

Re: Recherche Doping im Amateursport

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Wahrscheinlich aus dem selben Grund, aus dem Hobby-BodyBuilder Schmerzmittel, NEM, Creatin und im Höhepunkt AAS (Anabole Androgene Steroide) nehmen.
Irgendwie steckt das allgemein in jedem Menschen, immer besser werden, seine Grenzen austesten, gucken wie weit man gehen und was man erreichen kann. Viele nehmen dabei auch Schäden in Kauf.

Re: Recherche Doping im Amateursport

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Was soll bei einem Profi anders sein als bei einem Amateur. Es ist doch im Endeffekt jeder bemüht am Renntag das bestmögliche Ergebnis abzuliefern. Seis um ein Rennen zu Gewinnen, um Kollegen zu beeindrucken oder was auch immer.

Der einzige Unterschied ist der Profi verdient sein Geld damit und hat dementsprechend mehr zu verlieren als ein Amateur, aber trotzdem würde ich die „Ambition zum Doping“ recht ähnlich einstufen und nicht von einer Läuferklassifizierung abhängig machen.

Irgendwie ist es auch ein wenig die Natur des Menschen immer nach Shortcuts zu suchen, mitunter auch auf Kosten der Gesundheit.

Re: Recherche Doping im Amateursport

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Endevour hat geschrieben: 14.06.2024, 22:50 Der einzige Unterschied ist der Profi verdient sein Geld damit und hat dementsprechend mehr zu verlieren als ein Amateur, aber trotzdem würde ich die „Ambition zum Doping“ recht ähnlich einstufen und nicht von einer Läuferklassifizierung abhängig machen.
Das, was vielleicht dem Profi als finanzieller Anreiz dient, wird durch vielleicht auch ein wenig durch die Risikolosigkeit des Dopings im Amateursport auch wett gemacht. Niemand ordnet beim Amateur-Sportler, der im Kaff-0815-City-Lauf seine 10km-Zeit auf 39 Minuten gesenkt hat, einen Dopingtest an. Und selbst wenn es so wäre: Was hat der Volksläufer zu verlieren? Dass seine Wettkampfzeit annulliert wird und vielleicht beim selben Lauf nächstes Jahr nicht antreten darf? Man kann ja keine Startsperre gegen jemanden verhängen, der gar kein Startrecht nach DLV besitzt und nur an Volksläufen teilnimmt.

Re: Recherche Doping im Amateursport

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Es gibt halt Leute, die offensichtlich Spaß am Betrügen haben und/oder denen es sehr wichtig ist, dass andere denken, dass sie "toll" sind. Und dafür wird vieles in Kauf genommen.

Sieht man ja auch immer wieder an denjenigen, die auf gewissen Abschnitten eines Marathons entweder eine Weltrekordzeit hingelegt haben (Genau, wenn der Timingchip kurzzeitig ausgefallen ist, sich aber auf die Ziellinie wieder berappelt hat) oder mit der U-Bahn gefahren sind, sich dann aber beim Zieleinlauf selbst extremst feiern und ganz entspannt anderen Läufern den Platz auf dem Treppchen in der AK wegenehmen. Und das nicht nur einmal sondern über Jahre hinweg, nicht nur alleine sondern teilweise mit Vereinskameraden.

Lässt sich inzwischen alles nicht mehr so leicht nachvollziehen, seit man die Ergebnislisten nicht mehr eben mal runterladen und in Excel auswerten kann und der Zugriff auf die Fotos schwieriger geworden ist. Hat seine Hintergründe im Datenschutz und evtl. auch darin, dass es 2019 in den USA einen Selbstmord eines Läufers gab, nachdem sein jahrelanges Betrügen durch eine Internetseite, die sich auf sowas spezialisiert hatte, aufgedeckt worden war...

Oft ist es aber auch der "das machen doch eh alle"-Gedanke. Den hatte damals ja auch Jan Ullrich ausgesprochen. Er hatte damals - als er schon entlarvt war - auf die Doping-Frage immer mit "ich habe niemanden betrogen" geantwortet. Das wurde ihm häufig als Abstreiten ausgelegt. Ich habe es als "ich habe nur Chancengleichheit hersgestellt, da
alle anderen genauso dopen" verstanden. Aber so deutlich sagen wollte er es wohl nicht, weil er es zwar ein offenes Geheimnis aber nicht erwiesen war.
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Re: Recherche Doping im Amateursport

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Wenn ich mir die Beiträge durchlese sollte man vielleicht auch noch anmerken dass erstmal festgelegt werden sollte wie Doping und Medikamentenmissbrauch definiert wird.

Was fällt unter doping?

Nur Substanzen die auf der Liste stehen?

Wenn man vor einem Rennen nervös ist und ein beruhigendes Mittel nimmt?

Wenn man durch den Stress vielleicht Kopfschmerzen hat und eine Aspirin nimmt?

Creatin oder Nahrungsergänzungsmittel wie im Zusammenhang mit Bodybuilding erwähnt wurden zumindest mit Sicherheit nicht.

Re: Recherche Doping im Amateursport

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Eigentlich ganz einfach:

1) Doping ist das, was auf der Liste steht (Wobei hier die Profis ja manchmal die Option der Ausnahmegenehmigung bei medizinischer Indikation haben. Diese Option haben die Amateure defacto nicht).
2) im Sport erlaubter Medikamentenmissbrauch ist, ein Medikament ohne medizinische Indikation zur Leistungssteigerung zu nehmen.
3) Creatin & Co sind Nahrungsergänzungsmittel und keine Medikamente, also noch eine Stufe drunter.

Die Tüte, die die Radprofis im Alpecin-Video in die Höhe gehalten haben, ist mit einer Mischung aus 2) und 3) gefüllt.
https://www.youtube.com/watch?v=vcYNDtCPvxc&t=1266s
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Re: Recherche Doping im Amateursport

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Ich kenne tatsächlich auch jemand, der den Berlin Marathon mit der U Bahn etwas weniger anstrengend gestalten wollte und aufgeflogen ist. Ich dachte es wäre ein Einzelfall, aber wenn ich hier so lese 🙄
Meine Meinung: Ich bin schon sehr ehrgeizig, bin bereit so viel wie möglich zu optimieren, sei es Training, Ernährung und und und......

Bei Medikamenten oder gar anderen Substanzen ist bei mir ganz klar die rote Linie erreicht. Never ever........ so schön kann können die Sekunden oder Minuten schneller nicht sein, dass ich bereit wäre mit meiner Gesundheit oder gar Leben zu spielen.

Re: Recherche Doping im Amateursport

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ruca hat geschrieben: 15.06.2024, 09:06 3) Creatin & Co sind Nahrungsergänzungsmittel und keine Medikamente, also noch eine Stufe drunter.
Das ist mir schon klar.
Allerdings bin ich mir sicher, wenn man täglich ein paar Tabletten NEM einwirft und/oder Creatin nimmt, dann sinkt auch die Hemmschwelle für Medikamente und andere Substanzen.
Aber mit Sicherheit im Amateurbereich beim Bodybuilding noch eher vertreten als im Laufsport.

Re: Recherche Doping im Amateursport

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Ehrlicherweise auch mit größeren Effekten verbunden als im Ausdauersport. Wüsste abgesehen von EPO nichts was da so richtig viel bringen würde. Anabole Steroide bringen jedenfalls nicht so den Vorteil im Ausdauersport, und mit Sachen wie Nitrate, Bikarbonat etc wird zwar experimentiert, ist aber legal und bringt auch nicht so richtig viel.
Schmerzmittel sind zu weiten Teilen ebenfalls legal, sogar Tilidin (aber ob man damit besser läuft würde ich sehr in Frage stellen)
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