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Ein entspannter Tag in und um Dijon - Marathon des Grands Crus 2026

Ein entspannter Tag in und um Dijon - Marathon des Grands Crus 2026

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Auf der Suche nach einem Herbstmarathon in einer Stadt, die wir noch nie besucht haben, sind wir dieses Jahr auf Dijon gekommen. Der "Marathon des Grands Crus" findet, wie der Name schon andeutet, hauptsächlich in den Weinbergen südlich der Stadt statt, Start und Ziel befinden sich jedoch nahe des Stadtzentrums.

Anmeldung:
Problemlos übers Internet; ein ärztliches Attest war bis vor kurzem in Frankreich erforderlich, ist jedoch (zumindest bei dieser Veranstaltung) durch das verpflichtende Betrachten einer Reihe von medizinischen Videos ersetzt worden (zum Preis von € 5,--). Das Nenngeld war mit €60 richtig günstig, auch wenn dazu noch die 5,-- für die Videos kommen! Dafür ist das Startpaket eher mager gefüllt; nebst einem Energieriegel von Sponsor Decathlon befand sich darin eigentlich nur eine Flasche Chardonnay. Immerhin, einen Wein hatte ich bei meinen vielen Läufen noch nie im Sackerl gehabt - Premiere!
Um das Startgeld bekommt man eine Chipzeitnehmung (in die Nummer integriert) mit einer Zwischenzeit (ca. beim Halbmarathon), eine sauber abgesperrte Strecke (wirklich viele freiwillige Streckenposten) und recht viele Verpflegungsstände und Musikstationen, an denen es neben Wasser auch Energydrinks, Riegel und Obst gibt. Angeboten werden auch ein Halbmarathon und eine 10km-Strecke. Auch Pacemaker waren ein paar dabei, der schnellste für eine Zielzeit von 3h30.
Für ich glaube 25,-- hätte es auch ein Verkostungspaket gegeben, mit dem man an der Strecke bei mehr als 10 Kellereien den Wein verkosten hätte können - ich habe darauf verzichtet aber für Weinkenner wäre das eventuell eine Option für einen Genusslauf!

Teilnehmer:
Es gab in diesem Jahr ca. 1.100 Finisher über den vollen Marathon, ca. 2.800 über den halben und ca. 2.900 über die 10km, also eine mittelgroße Veranstaltung (ein paar Handbiker waren auch am Start). Wichtig: Es gibt keinerlei Preisgelder, das heißt, hier laufen ausschließlich Amateure, was man auch an den gelaufenen Zeiten gut sieht.

Die Strecke:
Start und Ziel sind am Cours du Général de Gaulle nahe der Altstadt, auf der sehr breiten Straße geht es mehr als einen km nach Süden und man macht dann einen Abstecher in den Parc de la Colombiere, bevor man nach Westen abbiegt und im folgenden durch ein eher langweiliges Gewerbegebiet Dijon verlässt, etwa ab km4. Wobei man das nicht so richtig merkt, der Vorort Chenôve ist mit Dijon komplett zusammengewachsen. Am Südende kommt man, nach km8, erstmals vom Asphalt auf einen Feldweg und ab hier führt die Route durch die Weinberge und Weindörfer entlang der "Route des Grands Crus" nach Süden: Marsannay-la-Côte, Couchey, Fixin, Brochon, Gevrey-Chambertin, Morey-Saint-Denis und schließlich der Wendepunkt (bzw. Halbmarathon-Start) in Chambolle-Musigny - überall wachsen links und rechts Pinot Noir und Chardonnay, wobei die Lese zum Zeitpunkt des Marathons schon erledigt war und die "Grappillage interdit"-Schilder daher überflüssig. Die Wende erfolgt nicht mit einer 180°-Kehre, sondern tatsächlich über eine Schleife durch den Ort, was ich als sehr angenehm empfunden habe, erst bei km23 kommt man wieder auf die Strecke, die man bereits kennengelernt hat. Der Rückweg erfolgt dann genau auf der selben Strecke, also immer mit Gegenverkehr durch langsamere Läufer, nur ganz am Schluss wird die Schleife durch den Park ausgespart und man läuft geradliniger ins Ziel.
Von den Höhenmetern her kommen über den ganzen Lauf ca. 200 zusammen - die Wein"berge" sind generell eher sehr flache Hänge. Allerdings gibt es auch bis auf die ersten 8 und letzten 7 km kaum einen komplett flachen Abschnitt, es geht eigentlich ständig mehr oder weniger sanft rauf oder runter. Einige kurze Abschnitte mit mehr als 5% Steigung waren in den Dörfern auch dabei, aber keinen davon würde ich als Rhythmusbrecher bezeichnen - wer aber gewohnt ist, nach der Pace auf seiner GPS-Ufr zu laufen, sollte das berücksichtigen.

Organisation:
Die Nummernausgabe hat bereits am Donnerstag angefangen - Do abend und den ganzen Fr im Decathlon Markt, Sa beim Startgelände und sogar am So hätte man sich die Nummer noch vor dem Lauf besorgen können!
Das Start- und Zielgelände war sauber und sehr geradlinig organisiert, der Startbereich leicht ausreichend groß. Die Strecke war gut abgesperrt und an wichtigen Stellen immer mit großen Wegweisern versehen, auch war eine Vielzahl an Streckenposten anwesend - ich war mir nie über die Laufrichtung im Unklaren. Die Verpflegungsstände und Anzahl der mobilen Toiletten war überdurchschnittlich gut, das war alles sehr gut organisiert. Mit der Startnummer durfte man nach dem Zieleinlauf auch ins Schwimmbad zwecks Duschen etc., da unser Hotel nicht weit weg war habe ich darauf verzichtet.
Sehr gut war auch die zeitliche und räumliche Trennung der verschiedenen Distanzen; ich finde es immer angenehm wenn die Bewerber sich nicht gegenseitig in die Quere kommen. Der Transport der Halbmarathonis zu ihrem Start erfolgte mittels einer Unzahl an Shuttlebussen, das scheint auch alles gut funktioniert zu haben.

Mein eigener Lauf:
Leider plagen mich seit ca. zwei Monaten Probleme mit der Achillessehen, darum hatte ich mich in der Vorbereitung sehr geschont und vor allem komplett auf Tempoarbeit verzichtet. Mit so wenigen Vorbereitungs-km bin ich überhaupt noch nie in einen Marathon gestartet! Daher war der Plan, es einfach als leicht forcierten Trainingslauf anzugehen, nur eben über 42km - eher ein Genusslauf, mit der Option gegen Ende hin etwas zuzulegen wenn die Sehne das zuließ. Daher hatte ich auch mein Smartphone dabei, um unterwegs ein paar Fotos zu machen.
Als Schuhe hatte ich ein älteres (bereits mehr als 1.000km) Paar Saucony Kinvara 14 an den Füßen; oben trug ich ein weißes Singlet und Sonnencreme aufgrund des angesagten Schönwetters. Der Start war um 08:30; kurz nach acht machten wir uns gemütlich auf den Weg (es waren gerade eineinhalb km vom Hotel). Am Weg zum Start kamen wir an der Verladestelle für die Halbmarathonis vorbei, wo sich ganze Menschentrauben drängten, aber alles lief sehr geregelt ab. Auch der Marathonstart selbst war entspannt; die Musikbeschallung angenehm zurückhaltend und der Startkorridor so großzügig bemessen dass jeder noch gut Platz für ein paar leichte Dehnübungen hatte. Ich verabschiedete mich von meiner Elisabeth, überreichte ihr meine Weste (es war recht kühl) und begab mich zur Startlinie. Pünktlich um 08:30 dann ein leiser Schuss und los ging es.
km 0-10: Die lockere Startaufstellung führte dazu, dass auch danach praktisch nie Gedrängel aufkommen konnte, das Feld sortierte sich schnell durch und nach etwa einem Kilometer überholte ich langsam den 3h30-Pacemaker. Das war genau das Tempo, das mir vorschwebte, allerdings hatte der eine dicke Läufertraube hinter sich und daher war es mir lieber, davor zu bleiben. Immerhin war der Verkehr aber dicht genug dass man nicht wirklich Sightseeing machen konnte, und dann kam der Park mit einem kurzen Abschnitt über eine Rasenfläche, wo man ebenfalls konzentriert laufen musste um nicht zu stolpern. Danach dann über eine langgezogene Überführung raus aus Dijon und ins Gewerbegebiet von Chenôve, über eine elendslange Gerade südwärts (Boulevard Bernard Palissy). Ca. bei km7 dann ein Schwenk nach rechts und durch ein Wohnviertel und zwischen km8 und 9 erreichten wir dann den Rand des Siedlungsgebiets, über einen Feldweg ging es rauf in die Weinberge und ins erste Weindorf.
Diese ersten 10 km absolvierte ich mit einer Pace von 4:51, recht stabil, die zweite Hälfte eine Spur langsamer weil es bergauf ging und der Feldweg recht schottrig war.
km 10-20: Wie so oft bei machte sich nach ein paar Kilometern ein ungutes Gefühl im Bauch breit und so steuerte ich knapp hinter dem Chateau Marsannay eine mobile Toilette an, die dort am Ortsende - zum Glück unbenutzt - herumstand. Etwa eineinhalb Minuten gingen da verloren und als ich mich dann wieder einreihte war ich erneut knapp hinter dem 3h30-Pacemaker gelandet. Erneut überholte ich den Burschen und die ihne verfolgende Traube und fand schnell zurück in den Rhythmus. Das Wetter war sehr angenehm, zwar war es wolkenlos aber die Nacht war sehr kühl gewesen (es hatte am Vortag sogar geregnet) und so war es eigentlich ein perfekter Lauftag! Eins nach dem anderen kamen die Weindörfer, allesamt recht beschaulich, jeweils mit einer Band oder Musikgruppe und einem Verpflegungsstand. Der Belag war die meiste Zeit sehr gut, nur in den Dorfzentren gab es ab und zu Pflasterabschnitte oder gebrochenen Asphalt. Meine Pace auf diesem Abschnitt war wegen der Klopause auf 4:53 gefallen, die übrigen Kilometer waren aber alle unter 4:50.
km 20-30: Über eine längere Steigung ging es rauf nach Chambolle-Musigny, und dort war dann richtig was los - das war ja der HM-Start. Ich kam dort einige Minuten vor dem Startschuss durch, es waren also schon alle der fast 3.000 Teilnehmer vor Ort, viele davon mit Aufwärmen beschäftigt - das Dorf war gesteckt voll mit Menschen! Die Laufroute selbst war aber zum Glück komplet frei, es waren alle sehr rücksichtsvoll. Nach einer Schleife durch Zentrum ging es recht steil bergab und dann zurück auf die bereits bekannte Route und durch die Dörfer retour nach Norden, vorbei an den zuvor schon gehörten Musikgruppen. Kurz vor km30 spürte ich dann zum ersten mal ein Stechen in der lädierten Sehne und reduzierte etwas das Tempo und änderte den Laufstil, bis es sich verzog. Diesen 10-km-Abschnitt lief ich mit einer Pace von 4:49, also immer noch sehr stabil im angepeilten Tempo.
km 30-40: Zu diesem Zeitpunkt begann es dann eigentlich unangenehm warm zu werden, aber es ließ sich noch aushalten - man ist dort in den Weinbergen komplett ungeschützt der Sonne ausgesetzt, da macht so ein wolkenloser Himmel schon was aus, auch wenn die Temperaturen kaum über 20°C lagen. Irgendwo überholte mich dann der Führende des HM, und es kamen uns auch immer noch langsame Läufer entgegen, manche davon in Verkleidung, was für ein wenig Abwechslung sorgte. Mit Couchey und Marsannay-la-Côte durchquerte ich die letzten beiden Dörfer, dann ging's über den bekannten Feldweg zurück ins Stadtgebiet, und etwa ab km36 durch das öde Gewerbegebiet. Hier kamen dann immer mehr der HM-Läufer von hinten, aber immer nur einzelne, es kam nie zu gegenseitigen Behinderungen. Wie öd das Gebiet dort ist war mir am morgen noch gar nicht so aufgefallen, wegen der vielen Kollegen, aber jetzt war ich doch ein wenig einsamer am Weg und die Gegend dort ist echt einschläfernd - leider kommt kaum ein Marathonkurs ohne solche Gewerbegebiets-Kilometer aus! Nett fand ich einen bunten Bogen samt Plakat am Beginn dieser Passage, wo sinngemäß stand: Ihr findet diese Gerade nervig? Wir auch - also lauft schneller, dann habt ihr diese 1.700m schneller hinter euch! Das war offenbar von einigen der Betriebe dort gesponsert worden, und tatsächlich stand am Ende dieser Strecke dann wieder so ein bunter Bogen - geschafft! Ca. bei km 39 ging es dann über die bereits bekannte lange Überführung und wir waren zurück in Dijon. Meine Pace auf den km 30-40 war 4:45, also war ich etwas schneller geworden, wie geplant.
km 40-42: Wiederum spürte ich meine Sehne und verlangsamte etwas das Tempo, aber insgesamt war es ein gutes Gefühl, die volle Distanz halbwegs gut überstanden zu haben. Ich merkte allerdings deutlich die fehlenden Trainings-Kilometer, so steif fühle ich mich normalerweise nicht am Ende eines Marathons! Auf der Zielgerade gab es noch eine kurze 180°-Schleife nach Süden bevor es dann Richtung Zielbogen ging, der schon aus großer Entfernung (mindestens 500m) zu sehen war. Vor dem Bogen blieb ich noch zweimal kurz für ein Foto stehen, ins Ziel kam ich dann mit netto 3:24:26 als 122. Finisher (und Dritter meiner Altersklasse - sehr seltsam). Ich schnappte mir die recht kleine aber bunte Medaille und verköstigte mich einmal - die Auswahl war angenehm vielseitig, nur von den angebotenen Weinen habe ich die Finger gelassen!
Fazit:

Mit der lädierten Sehne war leider kein schnelleres Tempo möglich aber ich denke, ich habe das Beste daraus gemacht und konnte den Lauf mit dem gemütlichen Start und der leichten Beschleunigung hinten raus eigentlich ganz gut genießen.
Den Lauf selbst kann ich wirklich empfehlen - es handelt sich sicher um keine Bestzeitstrecke, aber die Route ist schön und abwechslungsreich und alles ist super organisiert, und Dijon selbst ist eine absolut sehenswerte Stadt, wo man auch einmal eine ganze Woche verbringen könnte! (Wir haben nur dreimal dort übernachtet und waren jeden Tag voll ausgebucht)

Re: Ein entspannter Tag in und um Dijon - Marathon des Grands Crus 2026

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Danke für den Bericht und die schönen Fotos. :P

GeorgSchoenegger hat geschrieben: 15.10.2026, 18:07 .... nur von den angebotenen Weinen habe ich die Finger gelassen!
Ooch, das hätte ich mir nicht nehmen lassen. :nick: Gerade weil eurer Hotel auch so dicht am Start/Ziel war...
5 km - 21:41 (18.10.2025 - SportScheck Run)
10 km - 44:40 (16.10.2022 - The Great 10K)
HM - 1:38:42 (24.08.2025 - die Generalprobe)
25 km - 02:02:00 (15.05.2022 - S 25)
M - 03:38:13 (25.09.2022 - BM)
50 km - 04:32:07 (17.03.2024 - Werderseelauf)
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