Banner

"Nachttraining" für den ZUT?

"Nachttraining" für den ZUT?

1
Hallo liebe Community,

ich hoffe hier sind ein paar erfahrenere Trailrunner als ich, die mir bei folgendem Problem ein paar wertvolle Tipps/ Ratschläge mitgeben können:

Ich habe mich für den ZUT in der 106-km-Kategorie dieses Jahr angemeldet. Ich habe bereits mit mehreren (auch langen; > 12 Stunden) Wettkämpfen einiges an Erfahrung im Trailrunning gesammelt.

Was dieses Mal für mich völliges Neuland ist, ist der Start um 22 Uhr. Bisher waren meine Starts immer am frühen Morgen, sodass ich nie durch eine Nacht komplett durchlaufen musste, allerhöchstens 2 bis 3 Stunden "in die Nacht hinein". Um die Ausrüstung soll es hier auch gar nicht gehen, sondern rein um die körperliche - und vielleicht auch mentale - Vorbereitung.

Ich denke, dass ich um Nachttraining - zumnindest vereinzelt - nicht drum herum komme. Ich tue mir jedoch sehr schwer, was den Umfang und den richtigen Zeitpunkt im Trainingsplan angeht. Hat das hier schonmal jemand "durchgemacht" und möchte seine Erfahrung teilen?

Ich bedanke mich im Vorhinein schonmal für sämtliche Tipps, Ideen und Ratschläge. :)

Re: "Nachttraining" für den ZUT?

2
Da es sich eher um mentale Aspekte handelt, ist der Zeitpunkt in einem Trainingsplan relativ egal. M.E. ist es Nachts schwerer den Fokus zu halten, dabei ist das umso essentieller, da man in technischen Passagen eine deutlich höhere Aufmerksamkeit benötigt. Gerade bergab.

Ich kenne die Route des ZuT nicht, aber du kannst ja ungefähr abschätzen, zu welchem Zeitpunkt du wo bist und welches Terrain du dann vorfindest. Das würde ich zumindest in einem Longrun simulieren. Einfach um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie funktioniert es mit dem "Erkennen des Bodenprofils" mit Stirnlampe? Welchen Einfluss hat die Dunkelheit und ggf. Müdigkeit auf die Reaktionsfähigkeit? Etc., etc. Auch, wie reagiere ich auf die Höhe, wenn die Sicht durch die Dunkelheit eingeschränkt ist?

Die Leute die ich kenne, die so was machen, die schieben da bewusst Nachtläufe mit ein, weil es doch eine ganz andere Art von laufen ist.

Und ich kenne auch Läufer die den ZuT bewusst abgebrochen haben, weil sie mit der Dunkelheit und dem Terrain einfach nicht zurechtkamen. Deshalb würde ich das schon ein paar Mal bewusst trainieren. Vor allem technische Parts simulieren, vor allem den Berg runter. Also bewusst auch schwieriges Gelände.
Bild
Über mich
wo ich herkomme Am Anfang war da der Bauchspeck und wo ich zuletzt gelaufen bin Joels Daily Challenge - Streakrunning

Re: "Nachttraining" für den ZUT?

3
Ich bin im letzten Jahr den Engadin Ultra gelaufen mit einer Startzeit von 23Uhr.
6 Wochen vorher bin ich einen Nachtultra (10h Lauf) von 22-8Uhr gelaufen welcher aber nur flach über Asphalt und Forstwege ging. Das hat mir als Test für mich und Material gereicht und ich bin sonst Frühaufsteher.

Re: "Nachttraining" für den ZUT?

4
Ja ich würde das auch vorher ein paar Mal trainieren. Im Rennen kommt es aber meistens doch anders als man denkt, da hilft schon ein gewisses Selbstvertrauen. Im Hochalpinen Bereich mitten in der Nacht alleine, inkl. Erschöpfung, Wetter etc., da kann es zum Teil schon beängstigend werden.
Ein Tipp, wenn es die Gelegenheit gibt, versuche 'nicht alleine zu sein'....sprich, spann Dich mit jemandem zusammen. Schwierig sind eigentlich nur die sehr langen Downhills, und oben gibt es meistens einen Verpflegungsposten, den Mitläufern geht es gleich wie Dir, da ist es oft leicht, einen gleichgesinnten zu finden.

Re: "Nachttraining" für den ZUT?

5
Hallo,

ich bin den ZUT auch die 106 km letztes Jahr gelaufen und stand vor der gleichen Frage. Bin vorher auch in Innsbruck die 81 km gelaufen, da war der Start auch um 22 Uhr. Auch in Fieberbrunn beim KAT war der Start letztes Jahr 23 Uhr. Vorher hatte ich auch noch nie einen WK mit der Startzeit. Es war alles überraschenderweise überhaupt kein Problem.

In Absprache mit meinem Trainer hatte ich bewusst KEIN Training nachts oder abends gemacht. Es kommt darauf an wie es für dich für den Kopf ist.
Da ich einen recht strammen TP hatte, hätte das Nacht-Training mit lange laufen eine längere Regeneration und evtl Risiko dass das Immunsystem danach schwächelt aufgrund der Belastung bedeutet. Daher habe ich es nicht gemacht.

Und es war interessanterweise überhaupt kein Problem für mich, weder in Innsbruck noch beim ZUT noch beim KAT100. Die Nacht war unproblematisch, gegen 4-5 Uhr morgens wird es etwas zäh, da habe ich Kaffee an der VP getrunken und eine Brühe getrunken jeweils, das hat sehr gut getan und geholfen. Die Müdigkeit kommt nach hinten raus dann eher.

Dadurch, dass du sowieso aufgeregt bist und mit vielen andern zusammen läufst, glaube ich nicht, dass es ein Problem wird für dich, wenn du es vorher nicht trainierst.

Was ich im Winter aber zwangsläufig immer mache ist im Dunkeln Trails laufen - also mit Stirnlampe unterwegs auf unebenen Wegen. Das finde ich schon sehr hilfreich.

Wünsche dir auf jeden Fall viel Erfolg!

Re: "Nachttraining" für den ZUT?

6
arnejo hat geschrieben: 20.01.2026, 05:54 Ja ich würde das auch vorher ein paar Mal trainieren. Im Rennen kommt es aber meistens doch anders als man denkt, da hilft schon ein gewisses Selbstvertrauen. Im Hochalpinen Bereich mitten in der Nacht alleine, inkl. Erschöpfung, Wetter etc., da kann es zum Teil schon beängstigend werden.
Ein Tipp, wenn es die Gelegenheit gibt, versuche 'nicht alleine zu sein'....sprich, spann Dich mit jemandem zusammen. Schwierig sind eigentlich nur die sehr langen Downhills, und oben gibt es meistens einen Verpflegungsposten, den Mitläufern geht es gleich wie Dir, da ist es oft leicht, einen gleichgesinnten zu finden.
Ja, in der Regel läuft man immer mit jemanden zusammen. Oft hat sich eine Frau an meine Fersen gehangen und umgekehrt. Dann findet man auch den Weg leichter. :daumen:

Re: "Nachttraining" für den ZUT?

7
Hallo,

so lange Trails bin ich nie über Nacht gelaufen. Dafür aber diverse Wettkämpfe über 24h, die 180 km des Olympian Race in GR oder eben auch meinen weitesten Lauf, den Spartathlon in GR mit knapp 35 Stunden. Und zumindest der Spartathlon hat einen fiesen Trail dabei, den man nach vielleicht 20 Stunden erreicht und das mitten in der Nacht.

Lange Zeit hatte ich auf jede Frage, ob das denn kein Problem sei durch die Nacht zu laufen, geantwortet: Was das Wachsein angeht, gar nicht. Kein bisschen, war immer hellwach. Etwas bedrückend für mich war aber stets die Dunkelheit, das - um es mal so zu nennen - Entrücktsein. Es machte mir auch wenig bis gar keinen Spaß nachts zu laufen. Nur ist es eben unerlässlich, ab einer bestimmten Wettkampflänge/-dauer. Es war auch so, dass ich meist allein unterwegs war. Erstens, weil die Teilnehmerfelder begrenzt waren und sich auseinanderzogen. Vor allem aber, weil ich vorzugsweise egozentriert laufe. Auf diese Weise komme ich mit den Anforderungen einer Strecke am besten klar. Ich rede auch nicht gerne beim Laufen, ganz im Gegensatz zu vielen anderen Läufern. Bisweilen fand sich jemand, mit dem ich mehr oder weniger wortlos gemeinsam lief. Das war dann durchaus eine Bereicherung. Stilles Einvernehmen.

Doch nun zurück zu dem Zeitpunkt, da sich meine Nachtlauferfahrung grundlegend änderte. Das war 2016 auf dem Kölnpfad. Der wurde um 24 Uhr gestartet. Ich lief also durch die Nacht. An Rahmendbedingungen muss ich erwähnen, dass ich vorm Lauf 500 km mit dem Auto anreiste und an es an den Tagen des Laufes sehr heiß war. Vorm Start ruhte ich lediglich im Schatten in meinem Auto. Frühmorgens, als es bereits hell war, noch vor Sonnenaufgang, überfielen mich binnen weniger Minuten enorme Probleme. Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren und empfand mein Laufen beeinträchtigt von einer Art Schwindel. Es fiel mir auch schwer zu laufen, was nach so wenigen Stunden unerklärlich war. Es dauerte eine Weile, bis ich kapierte: Ich bin entsetzlich müde! Ich kämpfe laufend dagegen einzuschlafen! Hätte ich mit hingesetzt, wäre ich sofort eingeschlafen. Also griff ich zu einer Notlösung, die mir normalerweise nach so wenigen Laufstunden und im eher flachen Gelände nie in den Sinn gekommen wäre: Ich wechselte vom Trab ins Gehen. Die Phase dauerte vielleicht noch eine weitere halbe Stunde an, bis die Sonne aufging. Dann war plötzlich alles wieder anders und ich konnte weiterlaufen, als wäre nie etwas gewesen. Der Wettkampf dauerte für mich bis 2 Uhr morgens am nächsten Tag, was nicht vorgesehen war. Wegen der besonderen Bedingungen des Kölnpfades verlief ich mich mehrmals, wie fast alle anderen auch. Rannte nachts sogar mal im Kreis rum, war nach 20 min wieder an derselben Stelle. In dieser Zeit widerfuhr mir diese Müdigkeit, dieser Zustand kurz vorm Einschlafen, nicht mehr.

Im selben Jahr, beim Spartathlon, erlebte ich etwas Ähnliches: Auf dem Weg zum Einstieg zum Sangas-Pass - das ist der erwähnte Trail - noch auf der Straße, war ich für etwa 30 min bis 1 Stunde wieder in diesem Beinahe-Einschlafmodus. Danach wars vorbei und für den Rest des Laufes, einschließlich des Sangastrails, war ich hellwach.

Ich will auf Folgendes raus: Man kann vorher Nachtläufe trainieren wie man will und natürlich ist es sinnvoll das auch zu tun, damit man sich mental und körperlich darauf vorbereitet und sich unter diesen Bedingungen kennenlernt. Man sollte jedoch darauf gefasst sein, dass man zum Zeitpunkt des Laufes, dort vor Ort, aufgrund veränderter innerer oder äußerer Bedingungen, die Anstrengung anders empfindet als gewohnt. Bei mir war es so. Als ich 2018 die 180 km des Oympian Race absolvierte, hielt die Nacht keine solche Erschwernis für mich bereit. Mal so, mal so, würde ich heute sagen.

Ich wünsche dir Erfolg und Spaß

Gruß Udo

Re: "Nachttraining" für den ZUT?

8
Es wurde fast alles gesagt, nur noch nicht von mir: Du musst bei Nacht hoch konzentriert sein, teste das. Das schwierige Geläuf im Dunklen ist der Schlüssel. Man muss sich nicht ans Laufen in der Nacht "gewöhnen". Du musst es nur 1x schaffen. 7x24 Schichtdienste funktionieren so, daß sich die Schichtzeiten zyklisch ändern bevor man sich "dran gewöhnt". Ja, ich habe das mehre Jahre gemacht und wahrscheinlich hat mich das emotional stark gemacht. Nutze das aus was Du schon kannst. Viel Erfolg
Antworten

Zurück zu „Ultralauf“