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von U_d_o
Hallo,
so lange Trails bin ich nie über Nacht gelaufen. Dafür aber diverse Wettkämpfe über 24h, die 180 km des Olympian Race in GR oder eben auch meinen weitesten Lauf, den Spartathlon in GR mit knapp 35 Stunden. Und zumindest der Spartathlon hat einen fiesen Trail dabei, den man nach vielleicht 20 Stunden erreicht und das mitten in der Nacht.
Lange Zeit hatte ich auf jede Frage, ob das denn kein Problem sei durch die Nacht zu laufen, geantwortet: Was das Wachsein angeht, gar nicht. Kein bisschen, war immer hellwach. Etwas bedrückend für mich war aber stets die Dunkelheit, das - um es mal so zu nennen - Entrücktsein. Es machte mir auch wenig bis gar keinen Spaß nachts zu laufen. Nur ist es eben unerlässlich, ab einer bestimmten Wettkampflänge/-dauer. Es war auch so, dass ich meist allein unterwegs war. Erstens, weil die Teilnehmerfelder begrenzt waren und sich auseinanderzogen. Vor allem aber, weil ich vorzugsweise egozentriert laufe. Auf diese Weise komme ich mit den Anforderungen einer Strecke am besten klar. Ich rede auch nicht gerne beim Laufen, ganz im Gegensatz zu vielen anderen Läufern. Bisweilen fand sich jemand, mit dem ich mehr oder weniger wortlos gemeinsam lief. Das war dann durchaus eine Bereicherung. Stilles Einvernehmen.
Doch nun zurück zu dem Zeitpunkt, da sich meine Nachtlauferfahrung grundlegend änderte. Das war 2016 auf dem Kölnpfad. Der wurde um 24 Uhr gestartet. Ich lief also durch die Nacht. An Rahmendbedingungen muss ich erwähnen, dass ich vorm Lauf 500 km mit dem Auto anreiste und an es an den Tagen des Laufes sehr heiß war. Vorm Start ruhte ich lediglich im Schatten in meinem Auto. Frühmorgens, als es bereits hell war, noch vor Sonnenaufgang, überfielen mich binnen weniger Minuten enorme Probleme. Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren und empfand mein Laufen beeinträchtigt von einer Art Schwindel. Es fiel mir auch schwer zu laufen, was nach so wenigen Stunden unerklärlich war. Es dauerte eine Weile, bis ich kapierte: Ich bin entsetzlich müde! Ich kämpfe laufend dagegen einzuschlafen! Hätte ich mit hingesetzt, wäre ich sofort eingeschlafen. Also griff ich zu einer Notlösung, die mir normalerweise nach so wenigen Laufstunden und im eher flachen Gelände nie in den Sinn gekommen wäre: Ich wechselte vom Trab ins Gehen. Die Phase dauerte vielleicht noch eine weitere halbe Stunde an, bis die Sonne aufging. Dann war plötzlich alles wieder anders und ich konnte weiterlaufen, als wäre nie etwas gewesen. Der Wettkampf dauerte für mich bis 2 Uhr morgens am nächsten Tag, was nicht vorgesehen war. Wegen der besonderen Bedingungen des Kölnpfades verlief ich mich mehrmals, wie fast alle anderen auch. Rannte nachts sogar mal im Kreis rum, war nach 20 min wieder an derselben Stelle. In dieser Zeit widerfuhr mir diese Müdigkeit, dieser Zustand kurz vorm Einschlafen, nicht mehr.
Im selben Jahr, beim Spartathlon, erlebte ich etwas Ähnliches: Auf dem Weg zum Einstieg zum Sangas-Pass - das ist der erwähnte Trail - noch auf der Straße, war ich für etwa 30 min bis 1 Stunde wieder in diesem Beinahe-Einschlafmodus. Danach wars vorbei und für den Rest des Laufes, einschließlich des Sangastrails, war ich hellwach.
Ich will auf Folgendes raus: Man kann vorher Nachtläufe trainieren wie man will und natürlich ist es sinnvoll das auch zu tun, damit man sich mental und körperlich darauf vorbereitet und sich unter diesen Bedingungen kennenlernt. Man sollte jedoch darauf gefasst sein, dass man zum Zeitpunkt des Laufes, dort vor Ort, aufgrund veränderter innerer oder äußerer Bedingungen, die Anstrengung anders empfindet als gewohnt. Bei mir war es so. Als ich 2018 die 180 km des Oympian Race absolvierte, hielt die Nacht keine solche Erschwernis für mich bereit. Mal so, mal so, würde ich heute sagen.
Ich wünsche dir Erfolg und Spaß
Gruß Udo