ToPoDD hat geschrieben: 19.05.2026, 10:07
Wenigstens einer, der hier noch auch die Faden Regeln achtet.
RunODW hat geschrieben:Und ihr so?
Die übliche Montagsroutine gestern Nacht, 10km very easy mit 6 Bergsprints. Nach einem sehr stressigen Tag bewusst noch etwas entspannter als sowieso schon üblich gelaufen. Heute wird der Progression Run durch Easy + Strides ersetzt, da morgen Abend die 10.000m auf der Bahn anstehen.
Das Thema Talent scheint ein echter Trigger für einige zu sein, kommt gefühlt so einmal pro Jahr hier auf. Mir ist alleine schon der Begriff viel zu schwammig. Für eine ernsthafte Diskussion müsste man erstmal definieren, was denn "Talent" überhaupt ist. Es ist in der Forschung unbestritten, dass es genetisch unterschiedliche Voraussetzungen für sportliche Leistungen gibt. Ebenso unbestritten ist, dass die Trainierbarkeit dieser Faktoren genetisch beeinflusst wird. Wenn wir also über Talent sprechen, reden wir dann über eine hohe Baseline? Hohe Trainierbarkeit? Hohe obere Limits? Über welche Faktoren sprechen wir und wie gewichten wir diese? Neben den klassischen Faktoren wie Muskelfaserzusammensetzung, VO2max, Lungen- und Herzfunktion etc. sind aus meiner Sicht auch Verletzungsanfälligkeit, Koordination und Mentalität bis zu einem gewissen Grad "angelegt". Vieles wird auch durch Erziehung und frühkindliche Entwicklung geprägt. Wenn Studien dann im Jugendlichen- oder Erwachsenenalter einsteigen, rechnet man sowas zu recht oder zu unrecht dem "Talent" zu?
Eine spannende Frage ist, warum es eigentlich so wichtig ist, ob und wie talentiert eine Person ist? Am Ende erreicht JEDER sein persönliches Maximum, insbesondere im Ausdauersport, nur mit jahrelangem zielgerichteten Training. Wo dieses liegt werden 99.99% der Freizeitsportler niemals erfahren, weil sie das dafür notwendige Training gar nicht machen können/wollen. Und da schließe ich mich persönlich definitiv zu 100% ein.
Die Extreme finde ich auf beiden Seiten: Zum einen die typische Aussage, meist von jungen und fitten Leuten: "mit ordentlichem Training kann jeder X/Y schaffen." und zum anderen "Ich habe halt kein Talent und kann nur deswegen X/Y nicht schaffen". Wenn wir 2 Personen den exakt selben Lebenstil und das exakt selbe Trainingsregime überstülpen, werden mit absoluter Sicherheit unterschiedliche Ergebnisse rauskommen. Ich konnte nach 4-5 Monaten strukturiertem Training als 35 jähriger direkt eine tiefe 35 laufen. Von allen Mitspielern in meiner mehr als 20 jährigen Fußballkarriere würde ich das vielleicht 2 oder 3 anderen zutrauen. Und da habe ich genug Beispiele von Leuten, die es mit dem Laufen versucht haben. Ich war auch ohne spezifisches Lauftraining schon immer der "Ausdauertyp". Ich bin im Jugendbereich in der Saisonvorbereitung auch 2-3 Jahre älteren bei den längeren Einheiten weggelaufen und im Altersbereich 15-18 sind das Welten. Ich konnte mit Harakiri Pacing (erste 3k unter 10 Minuten) und ohne jegliches spezifisches Training 38 Minuten auf 10km laufen, mit 16. Ich bin zu Schulzeiten 2:52 auf 1000m gelaufen, ohne jemals auch nur 1 vernünftiges Lauftraining absolviert zu haben. Erst rund 20 Jahre später habe ich verstanden, wie absurd das eigentlich war. Und genau so entsteht eben auch ein gehöriger "Selection Bias". Denn genau dieser Typus wird am ehesten zum Laufen kommen. Und dann wirkt es halt schnell so, dass jeder beliebige Fußballer problemlos Sub35 oder was auch immer laufen kann.
Lange Rede, kurzer Sinn, ich bin mir bewusst, dass ich ein gewisses Talent für Ausdauersport habe und es viele andere gibt, die deutlich mehr investieren müssen, um dieselben Zeiten zu erreichen. Es gibt auch Leute mit noch deutlich mehr "natürlichem Talent", die dann mit deutlich weniger Aufwand schnellere Zeiten laufen. Ich fände dann immer spannend, was die mit strukturiertem Training erreichen könnten. Im Wettkampf ist das alles aber egal, da zählt nur wer zuerst im Ziel ist und nicht wer die höhere VO2max, Schwelle oder den besseren Trainingsplan hat.
Und dementsprechend halte ich dann auch nichts davon jedem der vor einem ins Ziel kommt einfach höheres Talent zuzuschreiben (macht hier keiner!). Häufig wird das aus meiner Erfahrung auch gerne als Feigenblatt für die eigenen Unzulänglichkeiten genutzt. 20kg Übergewicht, abends lieber mit Bier und Chips auf der Couch, Wochenumfänge von 30-50km, aber der Grund warum es nicht klappt mit X/Y ist das "Talent" (auch das macht HIER keiner!). Gerade der Ausdauersport ist eine der "ehrlichsten" Sportarten überhaupt. Hier kann man sich nicht hinter einem Team verstecken oder mit guter Technik und Taktik viel machen. "You have to do the miles" und zwar konstant über Jahre und in unterschiedlichsten Pace-Bereichen.
Jetzt ist es doch deutlich länger geworden, als ich eigentlich wollte. Ich speichere es mir am besten gleich für nächstes Jahr ab
PS: Muss etwas schmunzeln, wenn hier Arjen Robben oder Tom Dumoulin als Beispiele gebracht werden. Spitzensportler sind mit Sicherheit nicht "durchschnittlich". Ich glaube manche hier sind etwas zu sehr in der Lauf-/Sportbubble gefangen.