RunODW hat geschrieben: 08.07.2026, 07:09
Ps Und Ihr so?
Wettkampfbericht geschrieben
Die Stunden davor
Der Wettkampf in Roth unterscheidet sich schon etwas von einem normalen Marathon.
Das fängt damit an, dass die Staffeln am Ende starten und unser Schwimmer um 9:20Uhr ins Wasser durfte. Grob überschlagen sollte ich so 6h später auf die Strecke gehen, also deutlich nach 15Uhr.
Ich musste also ziemlich viel Zeit totschlagen und schauen, was/wann ich so esse.
Ich habe mich für zwei kleine Frühstücke entschieden. Eins so um 7Uhr, weil ich da schon wach war, nicht mehr schlafen konnte und Kohldampf hatte.
Es gab 2 Scheiben Toast mit Honig. Das Gleiche dann nochmal so um 10Uhr, bevor ich mich auf den Weg vom Zeltplatz (Am Sportplatz gelegen, direkt bei km32 bzw. 36 der Laufstrecke) zum Eventgelände machte. Die 1,5km ging ich gemütlich zu Fuß.
Die Zeit, bis ich zur T2-Wechselzone ging (nochmal ca. 700m) verbrachte ich damit, dass Profirennen auf Großbildleinwand zu gucken. Als die Spitze des Feldes langsam auf den Wechsel Rad/Raufen zusteuerte, ging ich rüber zur T2, um mir das live anzuschauen. Schon beeindruckend in welchem Tempo die da losballern, nachdem die schon ein paar Stunden Wettkampf hinter sich haben.
Dann ging ich in den Staffelbereich der Wechselzone, alles top organisiert. Dort konnte man sich fertig machen, Bänke/Tische standen ausreichend zur Verfügung, Dixies in großer Anzahl, Verpflegung, wenn man wollte. Sonnenschirme/Pavillons sorgten für Schatten oder Regenschutz. Das Wetter war nämlich recht wechselhaft. Mit so 23°C war es ziemlich warm für einen flotten Marathon, aber überwiegend wolkig und ab und zu kamen ein paar Tropfen vom Himmel. Der Wind frischte auch immer mal böig auf.
Da ich einer der ersten Athleten dort war ergatterte ich eine der Blackroll-Sportmatten unter einem Pavillon und konnte so gemütlich chillen und am Smartphone unseren Radfahrer tracken, um zu wissen, wann es für mich los gehen sollte, weil man den Kleiderbeutel erst kurz vorher abgeben (bzw. einfach in eine blaue „Mülltonne“ werfen) konnte.
Das tat ich 20min vor meinem Start, dann nahm ich ein Gel ein und trabte ein paar Meter über die Wiese, mehr um zu gucken, ob mit den Schuhen/der Schnürung usw. alles passt, als das es ein richtiges Warmup werden sollte. Ein bisschen Mobility gab es aber auch noch. Mittlerweile hatte sich der Bereich auch gut gefüllt und immer mehr Staffelradfahrer erschienen zum Wechsel und die Anspannung stieg.
inzwischen war es auch richtig sonnig geworden und alle wartenden Läufer drängten sich in den kleinen Streifen Schatten einer Hecke.
Als unser Radfahrer um die Ecke kam, lief ich so weit auf ihn zu wie ich durfte. Er schrie mir zu, dass ich weiter auf ihn zukommen solle und ich versuchte ihm klar zu machen, dass der Wettkampfrichter da etwas zu meckern hätte, weil ich schon an der (leider unsichtbaren) Linie stand. Da wäre eine optische Markierung mit etwas Sprühfarbe ein kleiner Verbesserungsvorschlag. Später im Ziel haben wir herzlich darüber gelacht.
Als er dann endlich bei mir war, schnell den Chip von seinem Bein an meines transferiert und ich konnte los einem quer durch die Wechselzone. Uhrzeit: 15:33Uhr, ich sollte also gegen 18:20Uhr im Ziel sein.
Der Lauf
Die ersten Meter nach der Wechselzone waren sehr dankbar. Es ging leicht bergab, ein Zuschauerhotspot mit DJ, Grillwagen und phänomenaler Stimmung. So kam man gut ins Rollen. Dort überholte ich schon einige Einzelstarter, die verständlicherweise alle eher langsamer unterwegs waren. So sollte es auch den ganzen Lauf weiter gehen. Ich habe bestimmt Leute im mittleren dreistelligen Bereich überholt, eigentlich hangelte ich mich von einem Überholvorgang zum nächsten und freute mich immer, wenn einer der Läufer ein großes R (für Relay/Staffel) auf der Wade hatte, dann war es nämlich wirklich ein direkter „Konkurrent“ und auch von denen sollte ich etliche einkassieren.
Der zweite Kilometer über einen Schotterweg stieg dann etwas an zur „Lände“, einem Gewerbegebiet am Kanal. Das Strava-Segment sagt 800m mit 5,5% Steigung, kam mir aber flacher vor, pace lag für den km bei 4:16. Es folgten 2 flache km bis zum Uferweg das Kanals. Dieser ist auch ein feiner Schotterweg, wie so ein typischer Fahrradweg, aber in gutem Zustand. Dort ist es dann etwas beengter, weil aufgrund der Wendestrecke immer Gegenverkehr herrscht. Gerade an den Verpflegungsstellen, die im Schnitt alle 3km kamen, war das dann knifflig mit dem Überholen, weil auch einige der Einzelstarter dort ins Gehen übergingen und zum Vorbeilaufen kaum Platz war.
Die ersten 2km ging es in südliche Richtung zum Wendepunkt und durch leichten Rückenwind lief es sich fast wie von selbst. Nach dem Wendepunkt dann knapp 10km in die andere Richtung, da musste man konzentriert die pace halten und nicht unbemerkt durch Wind und Überholvorgänge langsamer werden. Kilometer 14-16 brachten dann ein paar heftigere Böen in Verbindung mit Regen. Der Wind nervte, der Regen kam gelegen. Zum einen als kleine Abkühlung, zum anderen wirbelte der Wind zuvor den feinen Staub vom Weg auf, was mir irgendwie einen trockenen, kratzigen Hals bescherte, selbst wenn man kurz vorher was getrunken hatte.
Kurz zum Thema Verpflegung: ich hatte eigene Gels bei und nahm auf der ersten Hälfte 3 Stück (45g Carbs pro Gel) davon, an den VP dann immer bisschen Wasser zum Nachspülen und den Rest vom Becher zur Kühlung auf den Körper. Danach bekam ich die Gels nicht mehr runter und hatte das Gefühl bei weiterer Einnahme Magenprobleme zu verursachen. Iso/Cola von den VP wollte ich da dann nicht auch noch testen, also ab Halbmarathonmarke nur noch Wasser und auf den letzten 10km einfach gar nichts mehr.
Kurz nach km 16 kam der nördliche Wendepunkt am Kanal. Die pace pendelte zwischen 3:48-3:56, schön gleichmäßig auf den Kilometer aber doch aufgrund der geschilderten Gegebenheiten etwas unrhythmischer als mir lieb war.
Den Halbmarathon beendete ich in ziemlich genau 1:22h. Das war doch überraschend flott, aber aufgrund der Topographie der Strecke, war auch klar: das wird wahrscheinlich kein negativer Split, auch wenn die zweite Hälfte etwas kürzer ist.
Bis km25 geht es immer am Kanal lang, bis es wieder durchs Gewerbegebiet zurück nach Roth geht, allerdings nicht auf komplett gleichem Weg, es wird da noch ein kleiner Abstecher durch ein Wäldchen gemacht, auch hier ein Schotterweg.
Da T2 am Rand von Roth liegt, hat man noch nicht wirklich was von der Stadt gesehen. Das ändert sich jetzt. Ab km30 geht es einmal quer durch die Altstadt, auch hier Zuschauermassen und Stimmung vom Feinsten, allerdings läuft man da auch ein gutes Stück über Kopfsteinpflaster, aber relativ human, kein Paris-Roubaix Feeling.
Dann geht es nochmal ein Stückchen bergan zum Sportplatz. Dort stehen dann auch die Vereinskollegen unseres Radfahrers zum Anfeuern. Ich hatte von ihm, für den gemeinsamen Zieleinlauf ein Vereins-Singlet geliehen bekommen.
Als ich also in Sicht kam, wurde es richtig laut. Den Push konnte ich auch gut gebrauchen, denn es wartete ab km33 der berüchtigte Anstieg nach Büchenbach hoch.
Ungefähr 2km mit 55 Höhenmetern mit kurzem Verschnaufstück in der Mitte. Rein von den Zahlen nicht anspruchsvoll. Aber direkt zu Beginn warten 450m mit 30 Höhenmetern, die den Puls hoch- und die pace runterjagen und einen für den Rest des Anstiegs ordentlich zusetzen. Da sackte die pace auf 5:00min/km runter.
Ich hatte dann noch das Problem, dass sich ein stechender Schmerz vorne am Brustkorb im Bereich der unteren Rippen etablierte. Die hinderten mich dann auch im flacheren Stück deutlich zuzulegen. Oben in Büchenbach gab sich das zum Glück schnell wieder.
Andere hatten mehr zu leiden im Anstieg. Zwei Einzelstarter haben sich am Wegesrand übergeben und das waren nur die, die ich gesehen habe. Viele sind da auch gegangen.
Es ging dann auf gleichem Weg wieder runter, da ich aber doch die Oberschenkel muskulär merkte, wollte ich da nicht zu viel Belastung draufgeben und irgendwas riskieren. Bin dann die letzten Kilometer in 4:20er pace kontrolliert ins Ziel gelaufen.
Dabei nochmal übers Kopfsteinpflaster durch die Altstadt an den fantastischen Zuschauern vorbei.
Vorm Stadtpark und dem Stadion reihten sich meine beiden Mitstreiter mit ein und es ging gemeinsam ins Ziel. Das war auch nochmal ein tolles Erlebnis. Das volle Stadion, begeisterte Zuschauer und das Gefühl eine ordentliche Leistung abgeliefert zu haben.
Insgesamt war es ein ereignisreiches, tolles Wochenende und ich bin froh, es gemacht zu haben.
Unsere Staffel kam nach 9:01:40h ins Ziel, Schwimmen: 56min, Rad: 5:13h, Laufen 2:48h + Wechsel
Das Fazit
Es fehlte nicht viel zur Sub9 und allein das Wetter hat hier schön den Ausschlag gegeben (Neoverbot beim Schwimmen, Wind beim Radfahren und warme Temperaturen beim Laufen).
Mit meiner Zeit (auch auf korrekte Marathondistanz hochgerechnet) bin ich äußerst zufrieden, wenn man die Rahmenbedingungen berücksichtigt.
- Der Kurs ist zwar nicht langsam, aber durch >50% Schotterwege und die Höhenmeter doch nicht so flott wie ein komplett flacher Stadtmarathon
- Das ständige Überholen, bzw. das immer wieder leichte abbremsen, wenn es doch was enger wurde, ein paar Mal auf Gehtempo, kosteten etwas Zeit und Kraft
- Die Temperaturen waren mit 23-25°C rein fürs Laufen etwas hoch
- 53 Wochenkilometer und 2 lange Läufe im letzten halben Jahr sind für einen richtig schnellen Solo-Marathon auch eher zu wenig auf dem Niveau, auch wenn die allgemeine Ausdauer durch das ganze Radfahren sicher sehr gut ist. Spezifisches Tempotraining gab es ja auch kaum, da es ja auch kein A-Wettkampf war. Das Training für den Saisonhöhepunkt geht ja jetzt erst los.