Körper siegt über Kopf.
Ich habe mein Ziel nicht erreicht. Die Hitze hat mich am Ende niedergestreckt. Der Kopf hat sich vehement dagegen gewehrt nochmal auf die Strecke zu gehen, obwohl der Körper gerade eine 49 Minuten Runde mit dem letzten Kilometer in einer 5:30er Pace absolvierte und damit ca. 176 km voll machte.
Mein Kopf wollte mir nicht mehr gestatten eine weiteren Yard in Angriff zu nehmen. Ich hatte genug. Ich wollte schon eine Runde vorher aufgeben, aber da hat mir meine Holde in den Hintern getreten und mich auf die Reise gezwungen. Aber nach 26 Yards war es gut.
Offiziell 174,34 km bin ich gelaufen. 25 zu wenig, aber ich bin trotzdem Stolz, das Wetter war unglaublich warm, selbst in der Nacht war es nicht wirklich kühl. Ich habe 12l Wasser und 2l Cola verbraucht. Dazu noch weiteres Wasser aus dem allgemeinen Spender. Das sagt vieles, denke ich.
Bin ich jetzt gescheitert? Ich denke nicht. Ich konnte mich schlicht nicht mehr überwinden, wieder in die Hitze hinaus, wieder 6,706 km überwinden versuchen. Wieder nicht wissen ob man noch laufen kann oder ob die Leere im Körper die Oberhand gewinnt und man zu spät ins Ziel kommt. Es war eine Art panische Verzweiflung die in meinem Kopf stattfand, wenn ich nur daran dachte weiterlaufen zu wollen. Und ich hatte keine mentale Kraft mehr diese zu parieren.
Das Gute, an mentalen Sachen kann man arbeiten. Ich werde die 200km nicht aus dem Auge verlieren, ich war so nah dran. Das wird schon klappen.
Aber zum Rennen selbst, es waren Temperaturen deutlich über 30°C und auf der Laufbahn, wo das Camp stand saugte der Tartanboden die Hitze nur so auf um sie kontinuierlich, auch in der Nacht, wieder loszuwerden. Es war ein Backofen. Die Strecke dagegen war viel Schatten, aber ein paar Passagen waren in der Sonne und das war nicht schön.
Die ersten 60 km bin ich ziemlich konsequent durchgelaufen. Danach ging es auf die Nachtstrecke und hier bot es sich einfach an die Strecke etwas zu dritteln. Also bin ich dazu übergegangen die ersten 3 Kilometer zu laufen, dann einen zu gehen und die restlichen 2,7 km wieder zu laufen. Das war sehr angenehm und das habe ich dann die Nach mehr oder weniger durchgezogen. Immer noch mit einem relativ konstant hohen Tempo, für einen Backyard. Aber ich mag die Pausenzeit, habe ich zu große Probleme wieder loszulaufen. Daran scheitern viele. Was nicht heißt, dass es mir nicht auch weh tut, irgendwann.
Unterwegs gab es natürlich sehr viel Zeit zum Quatschen und davon habe ich auch viel gebrauch gemacht. Aber ich habe auch gerne Runden alleine absolviert, einfach um den Kopf etwas frei zu bekommen.
Leider hatte ich wieder etwas Probleme mit dem Essen zu mir nehmen, nachdem Gels irgendwann ekelig wurden. Daran sollte ich auch arbeiten, aber wie übt man 10.000 Kcal zu sich zu nehmen, in 24 Stunden? Das ist gar nicht so einfach. Auf jeden Fall machte ich dann eine Nachtrunde, die um Kilometer 100 rum, mit etwas Speed. Pace der Runde 5:12 mit einem schnellsten Kilometer in 4:30. Ich sag ja, am Körper hat es nicht gelegen.
Dieser jugendliche Wahnsinnsleichtsinn rächte sich natürlich. Denn die Nudeln und die Cola danach kamen umgehend wieder zurück. Dafür konnte ich nun wieder Gels nutzen.
Allerdings war es dann ein dauerhafter Ritt auf der Rasierklinge. Jede Runde spürte ich aufkommenden Hunger. Gel, Katjes und Cola waren die Antwort. Feste Nahrung ging leider nicht.
Die Taktik für die Tagrunde modifizierte ich dann etwas. Ich lief bis km 1,7, wanderte die sichtbare Steigung von 2hm (maximal) die 200m lang war, rannte bis km 2,2 um dann weitere 300m zu walken. Dann kam der schöne Part der Runde, mit einem Gefälle und einer Rückenwindpassage. Diese wollte ich nicht mit gehen verbringen, deshalb die Taktikumstellung. Lief wieder bis km 5, wanderte 500 Meter übers sonnige Hitzefeld und dann den letzten Kilometer wieder zu laufen.
Und so erreichten wir die 24 Stunden Marke.
Es war wieder Mittag es war wieder die Sonne da und ich war fertig, fast. Immerhin gingen ja noch zwei Runden. Also insgesamt 26. Von den angepeilten 30. Aber die schaffe ich auch noch. Das blöde ist halt, dass man immer so einen langen Anlauf nehmen muss.
Emotional gebeutelt, mit feuchten Augen läutete ich die Glocke zur Aufgabe. Und ich bekomme jetzt noch Gänsehaut wenn ich nur davon schreibe. Es war bitter, aber in diesem Moment war es richtig, sagt mein Kopf. Ich hatte in diesem Moment den mentalen Battle gegen mich selbst verloren.
Aber ich habe die Top-10 erreicht, bei 72 Startern die alle richtig was drauf hatten. Das ist schon richtig gut. Der Sieg ging bei 45 Yards weg. Es hat wieder unfassbar viel Spaß gemacht und ich habe wieder kann tolle nette Leute getroffen. Alle im Camp haben sich gegenseitig unterstützt, es ist dort immer wieder eine ganz tolle Atmosphäre. Eine Zeltstadt für zwei Tage, wo sich Gleichgesinnte treffen um eine ganz eigene Art von Party zu feiern. Und jeder kann mitmachen.