Vielen Dank für die vielen Tipps, Hinweise, Daumen drücken, Zuspruch usw.
Letzte Woche war ich auch, wenn ich es anfangs nichts so seht gemerkt habe, relativ angespannt und habe deswegen wenig geschrieben, um mich auch nicht verrückt zu machen. Besonders am Samstag wünschte ich mir, es wäre der zweite und nicht der erste Marathon.
Die Woche
KW 15 begann eigentlich sehr entspannt:
Di 60 Min. DL, 9,1 km
Mi Kraft/ Stabi (danach hatte ich erstmal wieder 2 Tage Muskelkater)
Do 40 Min, mit Steigerungen, 6 km
Sa 20 Min, 3 km so ein wenig LaufABC, Schuhe gegeneinander testen, Steigerungen
allgemein hatte ich in der Woche etwas mehr Hunger, habe dem auch nachgegeben, und in den letzten Tagen dann auch verstärkt darauf geachtet, was ich esse, so dass ich Samstag bloß nichts essen wollte, bei dem ich mir nicht sicher bin, wie gut ich das vertrage und natürlich KH. Vielleicht hätten es mehr sein können. Aber ich denke das war so schon ok.
Die Läufe bis Donnerstag waren auch so richtige "Gute Laune"-Läufe. Das Wetter war schön, leicht sonnig, aber mit frischer Luft, dazu die Natur, die langsam wieder grün wird. Zudem habe ich mir überhaupt keinen Stress gemacht, weil ich wusste, was ich bis dahin nicht trainiert habe, kann ich nicht nachholen, höchstens etwas kaputt machen. Daher fühlte ich mich eigentlich ganz entspannt. Die Erholungswerte sahen dabei etwas anders aus. Die RuheHF ging Stück für Stück weiter nach oben, die HFV weiter nach unten... und der Schlaf war auch eher ausreichend. Ob das Nervosität war oder daran lag, dass die Allergiezeit für mich wieder losging... vielleicht etwas von beidem. Jedenfalls fühlte sich die Woche nach benötigter Erholung an, aber es kam gefühlt nicht so sehr der Energieschub, der nach einer Entlastungswoche kommt.
Am WE wurde ich dann wirklich nervös. Nach der Startnummernabholung und Besuch der Messe, Treffen mit
@RaviniII fühlte es sich dann wirklich real an, dass ich meinen ersten Marathon laufe! Aufregend und beängstigend.
Am Freitag habe ich dann z.B. dreimal während des Laufs die Schuhe gewechselt, um mich zu entscheiden.
Ich habe mich dann gegen die schnelleren Schuhe entschieden, da ich mit denen, selbst wenn ich langsam laufen wollte, immer etwas zu schnell gelaufen bin. Und das Risiko des zu schnellen Loslaufens wollte ich nicht eingehen.
Genauso habe ich dann vorher noch Klamotten hin und hergetestet und mich entschieden im hübschen Marathonshirt den Marathon zu laufen, getestet wie und wo ich die Startnummer anbringe usw.
So dass ich am Sonntag quasi nur noch aus dem Bett fallen, frühstücken, mich fertig machen, die bereit gelegten Sachen anziehen bzw. mitnehmen und mich zur Bahn bringen lassen kann.
Dort traf ich dann sogar eine Nachbarin, wir wussten nicht, dass wir beide teilnehmen, sie startete beim HM, jedenfalls hatte ich so in der Bahn gute Unterhaltung und konnte mich entspannnen. Genauso entspannt, ging ich dann ganz gemütlich zum Start, Dixi-Besuch, Umziehen, Kleiderbeutel abgeben. Und selbst dann hatte ich noch entspannt Zeit und konnte in Ruhe mit anderen Startern quatschen und stand schon einige Zeit im Startblock als die Pacemaker kamen. Die stellten sich weiter hinten auf und somit rückte ich weiter nach hinten. Vorher war ich weiter vorne im Startblock, um die Sonne zu genießen und weniger zu frieren.
In der Traube hinter den 4:30 Pacern stellte ich mich auf. Dann noch wenige Minuten warten und schon ging er los,
mein erster Marathon. Gerade noch passend die Uhr gestartet und glücklicherweise waren in der Gruppe um mich herum einige die sich auch während des Laufens unterhalten haben, so konnte ich schön lauschen und es verging die Zeit etwas besser. Hier und da habe ich auch mitgeredet, aber nachdem ich nach dem ersten VP etwas aufholen musste, wurde ich stiller um die Kräfte zu schonen. Da hatte auch ein Muskel ganz leicht angefangen, zu ziehen, also noch kein Krampf, aber nicht mehr locker. Also wieder etwas Tempo herausgenommen und ganz easy. So ging es dann immer weiter und war eigentlich alles ok, aber so ganz locker wurde der Muskel nicht mehr. (linksseitig außen Richtung Gluteus) In der Eilenriede hatte die Straße dann so einen Buckel in der Mitte und war zu den Seiten abschüssig, durch diese einseitige Belastung wurde es nicht besser und ich habe mir dann überlegt am nächsten VP ein Dextro Elektrolytgetränk zu trinken, obwohl ich mir ja nicht so ganz sicher war, wie gut ich das vertrage. In der Sonne und durch die Aufregung hatte ich schon ziemlich geschwitzt und sicher auch einiges an Salzen verloren.
Also habe ich dann nach 20 km ein Dextro getrunken, das Krampfen war dann sofort weg. Aber leider begannen dann kurz danach die Bauchschmerzen. Später kam mir auch in den Sinn, dass ich vielleicht am Anfang des Marathons zu viel Wasser getrunken hatte... aus Sorge zu wenig zu trinken. Später habe ich dann weniger Wasser getrunken.
Dummerweise war ich jetzt aber mit Bauchkrämpfen kaum bei der Hälfte. Also bin ich ein Stückchen gegangen, damit sich der Bauch etwas beruhigen kann. Und hörte auch gleich ein Motorengeräusch schräg hinter mir. "Ist das etwas schon der Besenwagen?" Aber nein, es war ein Sani auf nem Motorrad, der sich gleich schon um mich Sorgen machte. Oh je! Und das so früh. Wie mag ich wohl ausgesehen haben.
Es war noch am Ende der Eilenriede als ich mich gefragt habe, ob ich zur Not gleich ein Dixi oder hier noch den Wald aufsuchen muss. Aber der Darm beruhigte sich, nur der Magen tat weiter weh. "Das schaffe ich schon, ich bin stark!" Nach der Devise lief ich dann weiter in der Hoffnung, dass sich der Magen sich wieder entspannt. Das war jetzt halt so, man muss halt mit den Dingen umgehen, wie sie kommen und es war nicht rückgängig zu machen. Die Pacemaker verlor ich ein wenig aus dem Auge, aber das war ja nicht wichtig. Allerdings begann dann die Zeit in der ich immer wieder mal vor Bauchschmerzen gehen musste, dann krampfte wieder der Muskel und hab ihn vorsichtig gedehnt. Und so schwankte es zwischen den beiden Schmerzpunkten immer hin und her. Mal tat das eine mehr weh, mal das andere. Beim Gehen entspannte sich der Magen, aber der Muskel krampfte, beim Laufen wurde der Muskel wieder locker aber der Bauch begann wieder stärker zu krampfen. So bin ich dann ganz oft aber eigentlich immer nur sehr kurz - am längsten an der Verpflegungsstellen - gegangen und habe dann versucht beim Laufen nicht gleich wieder zu schnell zu werden.
Es flitzen immer wieder Staffelläufer an uns vorbei und brachten Unruhe hinein und bald trafen wir auch auf die Halbmarathonis. Die waren lustigerweise sogar minimal langsamer, so dass ich dort einige einsammeln konnte. Das war ganz gut fürs Selbstbewusstsein.
(Bei der Berechnung im anderen Thread hatte ich die aufgestaffelten Startzeiten, der verschiedenen Blöcke nicht einberechnet.)
Und danach konnte man eigentlich ganz gut mit den Halbmarathonis mitschwimmen. Das hatten die also wirklich dieses Jahr sehr gut berechnet. Irgendwann waren 30 km geschafft, aber die Bauchschmerzen waren überhaupt nicht weniger. Und ich dachte wirklich daran, aufzugeben. Ich hatte mich die letzten 10 km so irre gequält und der harte Teil sollte dich eigentlich erst kommen.
Bei dem Gedanken daran musste ich dann auch weinen und das nahm tatsächlich etwas vom Druck heraus und ich konnte wieder ein Stückchen laufen... weinend. Leider klappt das mit der Atmung nicht gut, wenn man beim Laufen weint. Und ich bekam keine Luft, musste wieder gehen und mich beruhigen. Dann ging es weiter. Ich habe mich aber ensthalft gefragt, ob es das Wert ist. Aber wie funktioniert das, wenn man rausgeht? Steige ich dann einfach in die Bahn oder muss ich jemandem Bescheid sagen?
So wirr waren die Gedanken in meinem Kopf. Bei nächster Gelegenheit sprach in die Sanis an, ob sie irgendetwas gegen Magenschmerzen haben. Hatten sie nicht. Und die machten sich auch deutlich weniger Sorgen, als der Sani auf dem Motorrad ca, 12 km zuvor. Also ging es irgendwie weiter. Immerhin waren um mich herum zu dem Zeitpunkt viele der Läufer, sowohl Marathonis als auch Halbmarathonis, nicht mehr so frisch. Selbst einige Staffelläufer liefen auch in unserem "larmarschigen" Tempo. (Bitte nicht übel nehmen, aber so kam es mir in dem Moment vor. Und ich dachte, wie kann es sein, dass die mindestens genauso sehr kämpfen wie ich. Mit Abstand betrachtet, finde ich meine Gedanken aus dem Moment auch fies.)
Auf der letzten Extraschleife des Marathonkurses kam wieder etwas mehr Ruhe auf. Die anderen Erstlinge und auch andere Marathonis schienen sich genauso zu quälen wie ich. Und dann kam irgendwann der Punkt als es nur noch 8,x km waren. Also etwas weniger als meine Hausrunde. Zwar war ich meine Hausrunde noch nie so fertig und voller Schmerzen gelaufen, aber es wurde überschaubar. Irgendwann trank ich dann einen Schluck Cola, obwohl ich mir nicht sicher war, ob ich das beim Laufen vertrage. Daher danach erstmal vorsichtig. Es ging aber, der Magen nahm es an und es gab einen kleinen Energieschub. Daher verzichtete ich dann auch auf das letzte Gel, um dem Magen nicht noch mehr zuzumuten und lief mit Cola weiter. Stückchen für Stückchen.
Beim Blick auf die Uhr wunderte ich mich immer wieder, dass ich bei dieser Quälerei, den vielen Gehpausen und langsamem Laufen nicht noch mehr Zeit verloren ging. Trotz allem war die Energie immer geringer, Ausweichen oder ein paar Schritte zur Seite um Pilze einzusammeln und Hände abzuklatschen wurde zu anstregend. Aber Stück für Stück kam die Ziellinie näher, ich hielt mich links um den Buzzer zu drücken! Das ging noch und dann ins Ziel!
Gefühlt war aber sogar der Weg von der Ziellinie zur Zielverpflegung elendig lang - war er eigentlich nicht.
Aber es blieb genug Zeit um im Gehen auf die Uhr zu sehen. Die fragte: "War das der Hannover Marathon?" und zeigte den Pokal für eine neue Bestleistung. Da kamen dann doch ein paar Tränen. Beim Zieleinlauf war ich zu leer und abgestumpft, um wirklich etwas zu empfinden. (Dass die Zeit auf der Uhr nicht stimmt, war mir klar, ich hatte vergessen Autopause auszustellen.)
Allerdings hatte ich schon einige Becher getrunken und Salzbrezeln weggeknabbert, als der 4:45 Pacer in die Zielverpflegung kam.
Also war ich noch in dem Zeitbereich in dem ich eigentlich ankommen wollte. Das hätte ich nicht gedacht.
Was habe ich daraus gelernt: Verpflegung ist bei so langen Läufen unfassbar wichtig. Und ich hätte nie geahnt, dass ich mich so quälen kann und soviel aushalte. Über 20 km mit Magenkrämpfen ist schon eine Leistung für sich!
Dass ich den Marathon genossen habe und bald wieder einen laufen möchte, kann ich jetzt nicht behaupten. Allerdings auch nicht, dass ich nie wieder einen laufe. Voerst freue ich mich auf die kürzeren Strecken und darauf wieder etwas flotter zu laufen.
Und zuallererst auf die Regeneration! Trotz frühem zu Bett Gehens, zeigte meine Uhr beim Aufstehen beim Wert Body Batterie nur 23 an. (Nach einer erholsamen Nacht liegt der im günstigstem Fall bei 100.) Muskulär geht es heute eigentlich noch. Die Beine sind etwas schwer und ich bewege mich etwas langsamer, sonst ist es aber eigentlich ok.
Das war jetzt sehr lang und es fiele mir bestimmt noch viel mehr ein, aber vorerst reicht das.
Schöne Woche euch allen!