So, versuche ich mich auch mal an meinem Rennbericht.
Könnte etwas länger werden, sorry schon Mal dafür.
Prolog:
Der erste Duathlon, komplettes Neuland. Daher am Vortag schon etwas nervös. Was brauchst du Alles? Was nimmst du mit? Was kommt wohin? Also alles dreimal durchgegangen.
War eigentlich aber halb so wild. Die Aeroflasche des Cervelo habe ich am Boden aufgeschnitten und als Pannenkit befüllt: 2x Schläuche, Reifenheber, 2x CO2-Kartusche, CO2-Pumpe, Multitool und normale Minipumpe fanden ihren Platz.
Getränkeversorgung (dank
@Xyris mit dem Zeug von 4Endurance) über Flasche am Aerolenker und Reserve hinterm Sattel, 2 Gels noch in die Toptube-Bag und die Gels für die Läufe kamen in die Taschen des Tri-Suits.
Rucksack mit dem übrigen Zeug für die Wechsel (Radschuhe, Helm, Laufschuhe, Handtuch) gepackt und fertig.
Wecker am Renntag klingelte um 4:30Uhr (rückblickend viel zu früh) und nach kurzem Frühstück ging es kurz nach 5 los Richtung Alsdorf, wo ich gegen 7Uhr, pünktlich zur Öffnung der Startunterlagenausgabe eintraf. Parkplätze im örtlichen Supermarkt-Parkhaus reichlich vorhanden, Startunterlagen gab es schräg gegenüber im Sportgeschäft. Start/Ziel/Wechselzone war auch nur ca. 500m entfernt. Organisatorisch alles top. Tageslizenz bezahlen ging ganz praktisch per PayPal (gut, wenn der Geldbeutel noch im Auto liegt

)
Nachdem Rad/Helm mit allen Startnummern beklebt waren, habe die Zeit genutzt mir alles anzugucken: Wo ist der Start, wo das Ziel, Laufwege zur/von der Wechselzone, wo muss das Rad nachher hin, usw.. Erste positive Überraschung: das späte Anmelden hat sich ausgezahlt, aufgrund der hohen Startnummer war mein Platz in der Wechselzone ganz hinten am Ausgang zur Radstrecke, praktisch gegenüber dem "Elite-Block", also ganz kurzer Weg zur Mounting-Line. Das kam mir natürlich entgegen, da ich die Radschuhe nicht am Rad befestigen, sondern ganz normal anziehen und dann damit durch die Wechselzone laufen wollte. Den Großteil der Laufwege in der Wechselzone konnte ich so also in Laufschuhen bestreiten.
Dabei konnte ich dann auch den ersten Wechsel der Elite beobachten. Da ging auch nicht alles glatt, was mir die "Angst" vor einer Blamage doch etwas nahm.
Mit dem Rad-Check-In habe ich dann noch gewartet, bis der Ansturm der DM/EM-Agegrouper vorüber war.
Wechselplatz war dann auch schnell eingerichtet, bestand ja nur aus Rad aufhängen, Radschuhe und Helm drapieren und den Radcomputer für schnelleren Start in den Ruhezustand zu versetzen.
Danach die Sanitäranlagen (in der Stadthalle direkt am Start/Ziel Bereich, reichlich vorhanden) aufgesucht und im Wartebereich aufgewärmt. Es hatte morgens noch deutlich unter 10° und da die Gepäckaufbewahrung auch in der Stadthalle war, konnte man sich damit auch Zeit lassen.
Durch die verschiedenen Rennen mit Startzeiten zwischen 8-12:30Uhr hat sich trotz über 1.000 Athleten alles schön entzerrt. Auf der Strecke war das dann allerdings wieder nachteilig, dazu aber später.
Mit den ganzen Erfahrungen würde ich beim nächsten Start 1,5-2h länger schlafen
Die Strecken:
Die Laufstrecke war eine 2,5km Runde mit 12-13 Höhenmetern, war also 4x zu absolvieren. Im Mittelteil, wie man sieht, etwas kurvig. Das war mit Absperrungen auf einem Marktplatz realisiert, um einigermaßen auf die 10km zu kommen am Ende. Danach das langgezogene Stück war ziemlich genau 1km auf wassergebundenem Weg. Nicht so gut wie asphaltiert, hatte aber nur wenige Löcher/Rillen und ziemlich glatten/festen Untergrund, kaum loser Schotter. Aufgrund der Rundenanzahl kam es natürlich zu etlichen Überholmanövern, die sich in dem kurvigen Teil doch manchmal etwas schwierig gestalteten.
Im ersten Lauf ging es noch, im zweiten waren dann auch die 2h nach uns gestarteten Sprint-Distanzler unterwegs. Da war einiges an Zick-Zack-Laufen oder seitliches Ausweichen über die Wiese nötig.
Die Radstrecke war eine 19,x km Runde, also 3x zu fahren. Praktisch überall sehr guter Asphalt (abgesperrte Bundesstraßen), allerdings insgesamt mit 8 U-Turns und 12 scharfen Kurven. Wenn man dann kurz vor so einem Punkt einen langsameren Fahrer (die Age Grouper der DM/EM waren noch unterwegs und auf der 2. und 3. Runde dann noch die langsameren Fahrer des Open-Race) vor sich hatte, musste man auch mal in die Eisen gehen. Den Kreisverkehr in der Mitte konnte man in Aeroposition mit leicht reduzierter Geschwindigkeit durchfahren (zumindest auf Runde 2+3, wenn man die Strecke dann kannte).
Das Rennen:
Dann ging es endlich los. Startaufstellung bei ca. 150 Startern recht entspannt. Leistungsgerecht in zweiter Reihe einsortiert. Startschuß ohne Animations-Larifari (Hände hoch, Musik, Countdown, usw.). Es bildete sich vorne schnell ein kleines 6er Grüppchen, ich kurz dahinter mit der Überlegung mitzugehen. Da ich aber nicht vor hatte den ersten Lauf mit 10er pb abzuschließen, habe ich mich richtigerweise dagegen entschieden. Der erste km war mit 3:32 eh schon zu schnell. Hinter mir klaffte auch schon eine kleine Lücke und es war, wie so oft, ein einsames Rennen. das alte Dilemma: zu langsam für ganz vorne, zu schnell für den Rest...
Erst als es ans überrunden ging, kamen wieder Läufer in Sicht. Allerdings eher vereinzelt, so dass man höchstens in dem verwinkelten Teil mal kurz ausgebremst wurde, bzw. ausserum ein paar Meter mehr machen musste.
Daher auch ein relativ unspektakulärer erster Lauf, der auch vom Tempo relativ konstant (je nach Höhenmetern) zwischen 3:40-3:50 pro km ablief. Dadurch, dass es natürlich auch langsamer als echtes 10k-Tempo war, fühlte es sich zu dem Zeitpunkt auch, für einen Wettkampf, viel zu locker an, ähnlich den ersten 10km eines Marathon. Offizieller Split: 36:06, reale pace: 3:44, sechstbeste Zeit im ersten Lauf (irgendwo muss ich also einen der Führungsgruppe noch eingesammelt haben)
Nach 2km im ersten Lauf war die Welt noch in Ordnung: Freie Strecke, tolles Laufgefühl, alles easy
(und auch wenn es auf dem Foto so aussieht: ich bin nicht alleine irgendwo mit Startnummer durch nen Park gerannt

)
Die Anspannung stieg dann erst, als es Richtung Wechselzone ging. Erster kleiner Fehler: Falsche Seite der Reihe gewählt. Zum Glück stand ich ja fast ganz hinten und musste so nur ca. 50m extra laufen. Radcomputer gestartet, Laufschuhe aus (dank Schnellschnürsystem super fix), Radschuhe an, Helm auf, Kinnriemen schließen, Rad greifen und los Richtung Radstrecke. An der Mounting-Line musste mich der Kampfrichter noch darauf aufmerksam machen meine Startnummer nach hinten zu drehen, das hatte ich vergessen. Mit einer Wechselzeit von 1:44min zufrieden, da wären für mich maximal 15-20s drin gewesen (das hatten die direkten Konkurrenten im Open-Race so ungefähr), die Elite hatte Wechselzeiten von 45-60s und die haben das schon ein paarmal gemacht.
Die Radstrecke war mit einem kleinen Gefälle auf den ersten 2km natürlich optimal um reinzukommen. Erwartungsgemäß haben mich relativ zügig ein paar starke Radfahrer überholt. Das war mir aber klar und lenkte mich nicht von meinem Plan ab, relativ gleichmäßig im eher konservativ geplanten Leistungsbereich von 230-240W zu fahren. An den kleinen Steigungen wurde es meist doch deutlich mehr, auf den Abfahrten dann eben mal weniger.
Aeropostion konnte ich die vergangenen Wochen ja noch genug fahren, da habe ich auf eigene Faust eine gut fahrbare Position gefunden. Überlege trotzdem ein Bike-Fitting zu machen, um aerodynamisch noch was rauszuholen. da ist sicher noch was zu holen und günstiger als Scheibenrad und /oder höhere Laufräder (aktuell fahre ich 52mm vorne und 63mm hinten) ist es auch.
Auf der ersten Runde ging es natürlich auch noch darum die Strecke kennen zu lernen, also war ich da in den Kurven und U-Turns noch etwas vorsichtiger. Fahrtechnik mit dem TT könnte ich in dem Zusammenhang auch nochmal etwas verfeinern... Schneller durch die Kurven spart halt auch Körner beim folgenden Antritt.
Einmal den richtigen Rhythmus gefunden, lief es relativ rund. Zum Trinken musste ich den Kopf nur ein paar cm nach unten Richtung Trinkschlauch bewegen, das hat perfekt gepasst.
Konzentration erforderten die doch zahlreichen Überholvorgänge. Die Strecke war recht voll, da noch langsamere Age-Grouper unterwegs waren (Start Frauen und M55-85 1h, M20-50 1,5h vor uns), natürlich musste auch zu denen das Windschattenverbot eingehalten werden und an einer Stelle war wegen einer Baustelle Überholverbot für so 150-200m (und da standen natürlich Kampfrichter). Dort wurde ich zum Glück bei meinen 6 Durchfahrten nur 1x ausgebremst.
Aber auch beim Radsplit konnte ich insgesamt relativ konstant pacen, natürlich immer im Kopf, dass gleich nochmal ein 10er zu Laufen sein würde.
Radsplit: 1:33:50h, 23 Leute waren auf dem Rad schneller als ich. Da weiß ich also, wo noch Verbesserungspotenzial schlummert.
Erste Radrunde nach ca. 15km, volle Konzentration.
So schön die ersten 2km der Radstrecke dank Gefälle auch waren, die letzten 2km waren entsprechend entgegengesetzt und auf dem Stück hat man dann doch etwas mehr investiert, als die beiden Runden zuvor. Nach dem Absteigen waren die Beine also etwas wackelig und ich war froh, dass ich es nicht weit hatte. Dieses Mal die richtige Reihe erwischt, Rad aufgehängt, Helm abgezogen, Radschuhe aus und dann begann das einzige kleine Drama meines Wettkampfes.
Am Tag zuvor kurzentschlossen das Schnellschnürsystem in die Nike Vaporfly gezogen und paarmal geübt, klappte alles gut. Den letzten Lockerungslauf am Samstag auch damit gelaufen und irgendwie ein mieses Laufgefühl in den Schuhen gehabt. Eigentlich mein Lieblingswettkampfschuh, haben auch erst 180km auf dem Buckel. Da ich aber kaum Wettkämpfe hatte die letzten Saisons, sind die schon ein paar Jahre alt. Vielleicht lag es daran, wer weiß. Also Samstag Abend noch auf die relativ neuen und in den letzten Tempoläufen erprobten Adidas Adizero Evo SL umgeschwenkt, samt Schnellschnürung. Die war dann wohl etwas zu eng gestellt, wenn man mit schwitzigen Socken in die Schuhe will und durch die sehr kurze Zunge hatte man auch kaum was zum Anfassen/sich reinziehen. So verrutschte die Zunge links komplett und recht kam ich gar nicht in den Schuh. Rechts das Schnürsystem gelockert und rein in den Schuh. Links ein zweiter Versuch endete mit kleinem Wadenkrampf und geringfügig verrutschter Zunge, die ich aber einigermaßen richten konnte. Während des ganzen Prozedere bekam ich mit, wie mich weitere Konkurrenten überholten. Das ärgerte ich mich dann doch, auch wenn ich die letzten 4-5 sicher in der Wechselzone zurück überholt habe. Da ich ja ganz vorne meinen Platz hatte, mussten fast alle mit ihrem Rad erst an mir vorbei zu ihrem Platz.
Wechsel 2 in unterirdischen 3:15min und somit geschlagene 90s langsamer als der erste Wechsel. Für Platz 3 in der Altersklasse fehlten am Ende 50s. Gut, dass ich das zu dem Zeitpunkt nicht wusste, hätte ich mich nur noch mehr über mich selbst geärgert.
Also zum zweiten Mal auf die Laufstrecke und den dritten Akt über die Bühne bringen.
Schon auf den ersten Metern war klar, dass das nicht so eine lockere Sache wie bei Lauf 1 werden würde. Die ersten zwei km gingen jeweils in 3:47 weg.
Die Strecke war nur deutlich voller und es war eher unrhythmisch zu Laufen. Viele Überholmanöver nötig, da die Sprintdistanzler auf ihrem ersten lauf waren und ab der zweiten Runde auch etliche Open-Racer auf die Strecke drängten. So verlor man auch leicht den Überblick über die direkte Konkurrenz und ich lief einfach meinen Stiefel durch. Und ehrlich gesagt: deutlich mehr wäre eh nicht drin gewesen. Vom HKS fühlte ich mich ok, aber die Beine wollten nicht mehr hergeben.
So gab es auch 2 Kilometer mit 4er pace. und ich war froh nach 37:41min und realer pace von 3:56 ins Ziel zu kommen.
Da auch dieser Lauf der sechstschnellste im Feld war, bin ich also mehr oder weniger im normalen Rahmen langsamer geworden.
Noch ein paar Meter bis ins Ziel, gleich geschafft!
Und dann war der Wettkampf auch schon vorbei und es stand eine 2:52:34h zu Buche.
Platz 14 von 125 bei den Männern und Platz 4 von 37 in der M40
Eigentlich rundum zufrieden, da fast alles wie geplant geklappt hat.
Es war eine tolle Duathlonpremiere und Alsdorf wird mich als Teilnehmer sicher wiedersehen.
Organisation war einfach Top (nur in Zukunft bitte richtige Cola im Nachzielbereich, keine Zero! Da will man doch Zuckerplörre

), alle Helfer freundlich und kompetent. Da merkte man, dass die Erfahrung haben und das Ganze aus Leidenschaft machen.