Auf den Bikecourse hab ich mich echt gefreut. 84km mit über 2.000hm, bockschwer also und sowas liegt mir ja deutlich mehr als flache Drückerstrecken. Und man umrundet die berühmte Applecross Halbinsel nahe der Isle of Skye, Landschaftlich wird einem also echt viel geboten,
Aus der Wechselzone gehts erstmal gleich eine 17 Prozentrampe hoch. Kann ich aber schon, deshalb gleich den richtigen Gang eingelegt. Die Oberschenkel schmerzten etwas von den Krämpfen und ich fuhr anfangs immerhin in Sichtweite anderer Fahrer. Natürlich kein Vergleich mit einem Ironman Feld und immer faires fahren, aber immerhin hatte ich mal 2-3 Fahrer um mich rum.
Hab gleich angefangen, mich gut zu versorgen. Alle 10 Minuten an meiner Carbflasche nuckeln. Ansonsten pendelte ich mich am unteren Rand meines Wattbereiches ein und genoss die Landschaft und machte mich möglichst klein. Ich fuhr mit Rennrad und Aerohelm, vom TT-Bike wurde mir mehrheitlich abgeraten und das war auch ein guter Tip. Die Strecke rollt einfach zu wenig, selbst auf den vergleichsweise flachen Passagen ist es sehr wellig. Das Wetter war heiter bis wolkig, aber trocken. Und so nahte der erste Anstieg. Das berühmte Bealach na bá, knapp 700 hm am Stück als Anstieg mit Alpinen Dimensionen.
Ich fuhr moderat aber engagiert in den Pass rein und hatte echt gute Beine und überholte gleich ein paar Fahrer. In einer Kurve zog ich die Regenjacke aus. Für oben war zwar Nebel und kalte Luft angekündigt, aber mir würde beim Anstieg schon warm werden. Denn so schön der Pass landschaftlich ist, er zieht sich schon zäh in die Länge.
Photos by Ariel Wojciechowski
Man sieht gut, wie weitläufig der Pass ist, wenn man sich vorstellt, dass man von ganz unten von Meereshöhe nahe dem Strand anfängt zu kraxeln.
Aber ich hatte Spaß und es lief gut. Ich überholte weiter und hatte bald 2/3 des Passes hinter mich gebracht. Nun haben es Extremtriathlons so an sich, dass sie einen immer irgendwie an einer Stelle überraschen, wo es unerwartet hart wird. Das war beim Celtman die 5km Matsch-Trail-Strecke und hier war es der vorletzte Teil des Anstieges.
Ich mag steile Anstiege und kann das auch gut fahren, aber was dann auf dem nächsten Kilometer passierte, sah so aus. Man beachte die rote Herzfrequenzkurve.
Es wurde tatsächlich brutal steil und zwar noch vor den Serpentinen. Und zusätzlich wehte uns ein brutaler Wind entgegen, meine Fresse.

Ich fuhr mit einem Briten und einem Finnen und wir überlegten irgendwie, wer von uns wohl als erster absteigen würde. Der Brite bot uns sogar Geld, damit wir vor ihm absteigen würden und er dann auch aufhören dürfte.
Minutenlang Wiegetritt am Anschlag. 15 bis maximal 20 Prozent. Zeitweise drohte das Vorderrad zu lupfen, das kannte ich bisher nur vom Graveln. DeR Kilometer wird am Ende mit 8 km/h weggehen und neuer 8 Minuten Lebensbestleistung in Sachen Leistung/ Watt.
Später haben an der Stelle wohl viele geschoben, wirklich brutal. Glücklicherweise wurde es in den letzten Serpentinen wieder etwas flacher und vor allem kann man sich ja in den Kurven ganz gut erholen. Der Todeskilometer hingegen ging straight geradeaus.
Irgendwann war ich oben und sehr glücklich und hab erstmal eine halbe Radflasche geext und machte mir auch tatsächlich Sorgen ob des Kohlenhydratfeuers, dass ich gerade angefackelt habe. Auf einer Langdistanz ist das ja energetisch keine gute Idee und ich hatte bestimmt noch. 5 Stunden vor mir. Aber erstmal freuen, das es doch so gut lief. Das Feld hatte sich extrem ausgedünnt und ich war definitiv in den Top 25 auf dem Rad dabei.
Es war kühl und neblig, aber ich entschied mich gegen eine Jacke auf der Abfahrt, um zeit und Aero zu sparen. Ich bin da ja nicht empfindlich, ( Hatte aber Handschuhe an).
Naja, damit die Abfahrt nicht zu langweilig wurde, fing es dann bei Sichtweiten um 15-20 Meter an zu Hageln und es gab böigen Seitenwind um die 60 km/h. Jetzt durfte ich dabei also eine schmale Single Trackroad runterrauschen. Yippie.
