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von Leissprecher
Hallo
Gestern musste ich doch tatsächlich bei der Chemotherapie Überstunden machen. Ich wurde 07.15 Uhr vom Taxi zu Hause abgeholt und um 16.45 Uhr wieder zu Hause vom Taxi abgesetzt. Und warum???
WARTEN, WARTEN und nochmals WARTEN!!!
Das fing schon früh beim Blutabnehmen im hauseigenen Labor an. Da ich ja NICHT der einzige Krebspatient in Kassel und Umgebung bin, standen schon mehrere Menschen in der Schlange, um sich die wertvolle Körperflüssigkeit abzapfen zu lassen. Dies wird gemacht, um die Werte (Leukozyten, Hämoglobin, Hämatokrit, Erythrozyten, Thrombozyten und vieles mehr) mit den Werten der letzten Blutabnahme vergleichen zu können. Danach wird erst entschieden, ob ich überhaupt zur nächsten Chemotherapie zugelassen werde. Bei mir hat diese Zulassung bisher drei Mal geklappt und soll noch neun Mal klappen. Also bin ich, rein rechnerisch, im Dezember mit meiner Chemotherapie durch. Ich hoffe mal, dass ich einige viele Tage vor Weihnachten fertig bin, damit ich dann bei dem Weihnachtsessen seeeeeeehr ordentlich zulangen kann.
Danach musste ich zum Stationsarzt, wegen dem Krankenhausaufenthalt vorige Woche. Ich hatte natürlich den Entlassungsbrief zu Hause vergessen und somit musste der Arzt sich erstmal die Diagnose und die Behandlungsmassnahmen über das Internet vom Diakonissenkrankenhaus besorgen. Das hat geklappt, aber wie schon weiter oben geschrieben, ich bin NICHT der einzige Krebspatient. Also hiess es wieder warten. Der Doktor hat sich dann noch meinen wohldeformierten :-):-):-) Bauch und das schon fast zugewachsene Loch der künstlichen Darmausgänge angesehen und die Freigabe für die Chemotherapie erteilt.
Dann durfte ich endlich in das Behandlungszimmer und mir einen Liegeplatz aussuchen, aber weil es so schön mit der Warterei geklappt hat, durfte ich jetzt auch noch auf meine Chemie warten. Diese wird in der Bären-Apotheke im Reinstraum IMMER frisch angemischt und zeitnah in das Krankenhaus geliefert. Scheinbar herrscht in der Apotheke akuter Personalmangel wegen Urlaub und Krankheit. Auf jeden Fall hatte ich dann ca. 11.00 Uhr meine erste Chemie am Tropfer hängen und mein Port hatte endlich was zu tun.
Schlussendlich musste ich dann auch noch auf meine Chemotherapie to go warten, die jetzt noch und auch noch bis morgen Nachmittag an meinem Hals und an meinem Port rumbaumelt. Das ist echt nervig. Aber wie es immer so schön heisst:
"""WATT MUTT DAT MUTT!"""
Sodele, seit gestern merke ich die nächste negative Auswirkung der Chemotherapie. Vor zwei Wochen hatte ich ja das Theater mit der rechten Hand und jetzt habe ich keinen Hunger und auch überhaupt keinen Appetit. Ich habe seit gestern Nachmittag nur zwei Scheiben Toastbrot mit Margarine und Salz gegessen (heute zum Frühstück). Mal sehen, ob ich nachher zum Abendbrot meinem Körper etwas feste Nahrung zuführen kann.
Gruss Stefan
PS: Weil die Nebenwirkungen nicht so stark wie beim letzten Mal waren, habe ich dem Sportplatz heute Mittag einen, wenn auch sehr kurzen, Besuch abgestattet. Heute ohne wackelige Kniee, aber mit den Hilfsbeinen.