Liebe Pillepaller
Inspiriert durch den witzigen Bericht vom Schauläufer will ich euch doch auch mal wieder mit einem Kurzbericht über ein kleines Trainingsläufchen berieseln - Grosse Berichte von Wettkampf-Heldentaten bleiben ja bei mir momentan aus (ich brauch alle Kraft fürs Training

).
Das Wetter ist ja nach wie vor eine riesige Einladung zum Laufen, und nachdem mir mein "Waffenbruder" für Davos gestern morgen so nebenbei verklickert hat, dass er soeben 45 km als Trainingslauf absolviert hatte, fand ich, dass ich nun auch was Besonderes leisten müsse.
Das Besondere hiess in dem Fall Michaelskreuz, das ist ein Hügel gleich neben dem Ort, wo ich arbeite, und gemäss Karte sinds knapp 400 HM und 6 Kilometer dorthin, und wenn ich auf dem Rückweg den Weg hinten rum wählen würde, wärens dann auch 15 km, wie vom Trainingsplan gewünscht.
Also abends um halb fünf Feierabend gemacht, schnell umgezogen und losgelaufen. Die ersten Kilometer zum Einlaufen flach durchs Dorf und den Feierabendverkehr, dann geht's aber schon relativ rasch aufwärts, aber immer noch dicht in den Häusern. Ein Wegweiser informiert mich, dass es zum Michaelskreuz 1:55 Stunden gehen würde. Schluck.... einfach ignorieren.
Ein kleines Geplänkel mit zwei Radfahrern mit E-bikes, die trotz motorisiertem Support Mühe hatten, mich einzuholen (Frau S., du bist vollkommen bekloppt, in dem Tempo loszulaufen), dann endlich raus aus dem Dorf.
Es geht aufwärts. Eigentlich immer. Manchmal ein bisschen mehr, manchmal ein bisschen weniger. Ich hab unterdessen meinen Berg-Tippelschritt gefunden und arbeite mich langsam hoch. Bis jetzts ist es zwar anstrengend, macht aber Spass.
Irgendwo mach ich dann einen Fehler bei der Wegauswahl (wollte eigentlich dem offiziellen Wanderweg folgen), rein in den Wald, da wird es sofort viel steiler, und vor allem auch viel unwegsamer, die Strasse ist nicht viel mehr als ein Schleppweg für die Waldarbeiter. Ende mit Laufen, gehen ist angesagt. Fluchzeterschimpf!!!
Umkehren will ich auch nicht, also kämpf ich mich weiter diesen Weg hoch, in der Hoffnung, mal wieder in eine bessere Strasse einzumünden.
Aber wie das so ist, Hoffnungen werden nicht immer wahr, denn irgendwann mal hört der Weg einfach auf, dafür ist ein 3 Meter tiefer Graben vor mir. Hehe, das wird ja wohl eine Trail-Läuferin nicht bremsen können. Ab durch die Brombeeren, runter und hoch, aber so wirklich bringt mich das nicht weiter, denn auf der anderen Seite hast natürlich keinen neuen Weg. Hätte ich mir ja denken können. Was nun?
Ich entscheide, mich durch das Unterholz zu arbeiten, um dann am nahen Waldrand entlang direkt hochzusteigen. Orientierungsmässig ist es ja einfach. Das Ziel liegt oben auf dem Berg, und solange es hochgeht, geh ich eigentlich auch automatisch Richtung Ziel.
Ich japse also senkrecht den Hügel hoch, eigentlich ist es ja wahnsinnig idyllisch. Stiefmütterchen und wilde Primeln wachsen am Waldrand, die Vöglein pfeifen, frisches, junges Gras spielt um meine Haxen - bloss die Uhr moppert, ich sei viel zu langsam unterwegs (musste ja nachher noch den Sohn aus der Krippe abholen. Murks).
Plötzlich komm ich oben auf ein Plateau - und da steht schon der Helikopter!!!! Ich staune, hab ich sooooo einen verzweifelten Eindruck gemacht, dass die gleich die Bergwacht angerufen haben? Aber zum Glück steht die Kiste scheinbar nicht wegen mir da, der Motor ist auch abgestellt, und die Piloten sitzen grinsend draußen im Gras und geben ein paar blöde Kommentare wegen meiner roten Omme ab. Ich winke und schwenke auf den langersehnten, befestigen Weg ein, der endlich wieder ganz hochoffiziell aufwärts führt, und verfalle grad zum Trotz wieder in meinen Bergschritt.
Nach 6 km und 45 Minuten bin ich oben. Und nach weiteren 57 Minuten wieder unten, mit besagtem Umweg über wunderbare Feld- und Waldwege und ziemlich genau 15 Km auf dem Tacho. Scheee wars
Mit vielen Grüssen, Marianne