Nach dem Ultra ist vor dem Ultra ist nach dem ...
Leider hat mich Delmenhorst ausgespuckt wie eine zu heiße Kartoffel. Das Wetter hat mich gekillt, die Distanz nicht.
Also was tun, wenn in drei Wochen ein Backyard ansteht? Genau, Training wäre eine Idee! Vor einigen Wochen hat mir eine Laufkollegin einen Flyer geschickt mit einem 24h-Lauf hier um die Ecke. Aber eine Woche nach Delmenhorst war das eigentlich keine Option. Aber irgendwie fühlte ich mich die ganze Woche einfach nicht ausgelastet, nicht mal Müde von den 125 km. Ich spürte einfach nichts.
Also habe ich am Freitag ganz kurzfristig entschieden eine lange Trainingssession einzuschieben. Alleine 70km mit Backyardpausen wollte ich nicht machen, das ist für mich zu hart im Kopf, also was liegt näher als im Rahmen eines Wettkampfes einfach seinen Stiefel runterzureisen?
Gesagt getan und spontan angemeldet. Plan war es immer, vier Runden zu laufen, was 7 km entsprach und dann den Rest von der jeweiligen Stunde Pause zu machen, wie es beim Backyard üblich ist.
Pläne sind gut, die Umsetzung manchmal dann etwas schwieriger, aber im großen und ganzen habe ich das ganz gut getroffen. Da es die erste Ausgabe der Veranstaltung war, waren nicht gar so viele Leute am Start für die 24h, aber mit den anderen Läufen war doch genug los um sich nicht einsam zu fühlen.
So zog ich meine Runden und als es Abend wurde, lag ich mit ein paar Kilometern in Führung. Aber ich war ja keine Konkurrenz, ich wollte ja nur 70km machen. Als die durch waren, war es aber noch nicht mal dunkel. Also dachte ich mir, ich hänge noch ein paar Nachtrunden dran. So wurden es dann 48 Runden, was genau zwei Marathons entsprach, aber das war mir eine zu ungrade Zahl, ja tatsächlich, das war mir schiefer als 50. Darum also noch zwei Runden gedreht. Da war ich dann wirklich klar vorne, aber ich hatte ja einen Plan. Also bin ich nach knapp 11 Stunden ausgestiegen. Der Lauf war so eine Wohltat gegenüber Delbenhorst. Es war zwar auch verdammt warm, aber es war kein Vergleich. Was mich daran erinnerte, dass Delmenhorst echt krass war, verrückt krass.
Dann hab ich meine Sachen gepackt, bin heimgefahren und hab noch ein nächtliches Bad genommen. Ich bin der Badetyp, da kann man so gut entspannen. Ziehe ich jeder Dusche vor, immer.
Da ich ja aber auch am Sonntag laufen musste, bin ich eben nochmal hingefahren und habe die 100 km voll gemacht. Und dann noch ein paar mehr gesammelt. Was ich gemerkt habe, die Strecke war härter als der Burginsellauf. Es gab zwei "Anstiege" jede Runde. Zwar nur jeweils 5hm, aber einen musste man auch relativ steil wieder runter, und das hat die Oberschenkel auf dauer ziemlich belastet. Insgesamt ergaben das auch +600 hm insgesamt. Auf eine Runde nicht viel, aber auf die Distanz doch hart.
Darum tun mir heute auch die Beine weh. Gewonnen wurde mit 144 km. Ich denke, dass ich diese Differenz von ca. 40km, in den 10 Stunden, die ich nicht gelaufen bin, drin gehabt hätte. Aber das war nicht mein Plan. Ich wollte Backyard simulieren und nicht 24h laufen. Das habe ich geschafft.
Krass war das natürlich im Vergleich zu vielen der anderen Teilnehmer. Ich habe mich fast ein wenig geschämt, zumindest fühlte ich mich gelegentlich peinlich berührt unwohl, weil ich tatsächlich nur trainiert habe, was für sie harter Wettkampf war, richtig hart. Und ich habe es eben so "mitgenommen". Ich verstehe, dass mein Maß an Laufen nicht mehr ganz dem Normalmaß entspricht. Aber ich verspreche, das ist harte Arbeit, irgendwie! Weil es eben ein Hobby ist. Aber ich denke die meisten Läufer realisieren das auch, was ich toll finde. Vielleicht realisieren es einige sogar mehr als ich selbst. Denn ich denke schon immer (noch): Höher, (schneller), weiter. Das treibt mich an. Darum mache ich solche Dinge.
Zur Doku des Rennens:
Teil 1, die Pace ist Brutto, ich habe also die Pausen nich rausgestoppt.
Teil 2
Und hier noch Pace und HF über den ersten Teil. Wie man sieht, ich habe das mit den Pausen versucht, oft hat es geklappt. Manchmal bin ich aber auch meinem Gefühl gefolgt.